Pandemiabookart

Dieses schöne Projekt wurde 2020 von Jadwiga Tryzno, der Leiterin des privaten Buchkunstmuseums im polnische Lodz, ins Leben gerufen. Es handelt sich um die Sammlung weltweiter Reaktion von Buchkünstlern auf die Coronapandemie.

Die umfangreiche website (gestaltet vom Graphik Designer Kacper Zagdan – https://www.behance.net/kacperzagdan) stellt die sehr verschiedenartigen Projekte vor. Das ist besonders interessant im Bereich der polnischen Beteiligten. Leider sind alle Texte nur auf polnisch, sodaß der Coronabezug nicht immer klar wird, trotzdem erschliessen sich die meisten Projekte durch ihre ausführliche Dokumentation.

Kacper Zagdan

Eine alphabetische Suche nach beteiligten Künstlern ist ebenfalls möglich. Und natürlich wird auf die Künstlerwebsites verlinkt. Derzeit sind dort sicher mehr als 100 Projekte samt Künstlervita zu finden. Man bekommt auch einen Eindruck vom Entstehungsprozess der Kunstwerke und der Arbeit in den jeweiligen Werkstätten.

Katarzyna Samosiej (Szpilkowska) mit ‚Lockdown 2020‘ wäre ein Beispiel für die liebevolle Art, die Buchprojekte und Künstler vorzustellen.‚Lockdown 2020‘ zeigt ein Haus ohne Fenster, dessen Dach sich aufklappen läßt. Im Hauskorpus verborgen ein Leporello mit schwarz-weissen Tuschzeichnungen, die sich zudem noch ums sich selbst drehen.

Ein weiteres Beispiel wäre Leonor Carpinteiro mit ihrem Buch The Press and the P:

Für mehr Informationen bitte hier weiterklicken:

https://pandemiabookart.pl/

http://www.book.art.pl/index.php/en/

Lange Nacht der Kultur in Bremerhaven am 4.9.2021

UNRAST

Constanze Kreiser zeigt von 17 -22.00 Uhr im Wilke-Atelier ihre aktuellen Arbeiten zum Thema Wasser.

Es sind Holz- und Linolschnitte, die anlässlich des gleichnamigen Textes UNRAST von Olga Tokarczuk weite Landschaften des Oderbruchs im Osten Brandenburgs zeigen. Es geht um die Lebendigkeit der Räume durch Schatten, Wind oder Pflanzen. Statt eines schnellen Blickes kann man sich in die Tiefe der Bilder hineinziehen lassen und stets neue Kleinigkeiten entdecken. Diese spezielle Wirkung entsteht durch den Handabrieb, der aus jedem Druck ein Unikat macht. Alle Arbeiten sind am 4.9.2021 verkäuflich.

Die Welt im Kopf 

Meine erste Reise unternahm ich zu Fuß, quer über die Felder. Meine Abwesenheit wurde lange nicht bemerkt, und so kam ich ziemlich weit. Ich ging durch den ganzen Park, dann über Feldwege, durch Maisfelder und über feuchte Wiesen mit Butterblumen und einem Netz von Entwässerungsgräben — bis hin zum Fluss. Der Fluss war in diesem Tiefland ohnehin allgegenwärtig, er durchtränkte die Grasschicht und leckte an den Feldern.

(aus Unrast von Olga Tokarczuk)

Wildnis I-III: 3 Leporellos

Drei aktuelle Unikate mit Holzschnitten, angeregt von den Gedichten Daniela Danzs mit ihrem 2020 in Göttingen erschienenem Band ‚Wildniß‘.

Wildnis I (ca. 13/23 cm)

stellt Kulturlandschaft und Verkehrsräume gegenüber – beides menschengemacht.

Wildnis II (ca. 13/23 cm)

bezieht sich auf Nacht- und Traumlandschaften: die weichen Konturen eines alten Kirschgarten, der Rest eines Hauses.

Wildnis III (ca. 11/15 cm)

führt Text und Bildteil in eigene, von einander getrennte Räume.


Monstera Monkey Mask: Katrin Magens im Kunsthaus Salzwedel

Vergangenen Sonntag (11.7.2021) ging die Ausstellung Monstera Monkey Mask im Kunsthaus Salzwedel zu Ende, die seit dem 9.10.2020 lief und coronabedingt mehrfach über den 10.1.2021 hinausverlängert wurde. Die Dannenbergerin Katrin Magens zeigte mit Holzschnitten, Zeichnungen, Skulpturen und Skizzenbüchern einen reichhaltigen Überblick ihrer vielfältigen künstlerischen Aktivitäten.

Schon auf den 1. Blick fühlt man sich in die zwei gegenüberliegenden Räume im Obergeschoss des Kunsthauses eingeladen. Die blaue Wand mit den vier großformatigen, in ihren Ocker-Schwarztönen afrikanisch anmutenden Drucken auf Damast leuchtet in den Flur. Im anderen Raum scheint es farblich zurückhaltender zuzugehen: eher blau-pastellfarben und in hellen Holzrahmen gefaßt sind dort Themengruppen arrangiert, eine hinterleuchtete Gruppe kleinerer Skulpturen auf Sockeln zeigt sich erst bei Betreten des Raums.

Katrin Magens mehrschichtige Drucke arbeiten viel mit schwarz. Auf den Blättern mischen sich flächige Formen, die teilweise Durchblicken auf das dahinterbefindliche zulassen, mit Liniengruppen, die ebenfalls eine Verbindung zum Hintergrund herstellen. Alle größeren Flächen sind belebt, zeigen zurückhaltende innere Strukturen, verlocken zu einem immer genaueren Hinsehen. Räumlichkeit entsteht auf Magens Holzschnitten durch Überdruckungen, also einem Davor und Dahinter, denen sich die gewählten Farbhelligkeiten manchmal widersetzen, oder durch ein Zusammenfassen verschiedener Formen mit schwarzen Linien im letzten Druckgang. Alle größeren Flächen sind durch zurückhaltende innere Strukturen belebt, die Drucke verlocken so zu einem immer genaueren Hinsehen.

Die Skulpturen von Katrin Magens benehmen sich ähnlich wie ihre Drucke: sie entstehen aus Gruppen von kompakt-gnubbeligen Körpern und leichten sie umschwirrenden Linien in Form von Drahtgeflechten und Stützmaterialien. Auch hier kippt der Besucherblick zwischen den beiden Angeboten hin und her. Die Plastiken werden durch unterschiedliche Materialien wie Holz, Wachs, Eisen und gefüllte Stoffhüllen mit vielfältigen Motiven aufgeladen, die sich nicht unter einem Thema zusammenfassen lassen und damit viel Platz für Spekulationen anbieten.

Glasvitrine mit Tagebüchern

Als weiterer großen Themenkomplex sind die Katrin Magens Tagebücher ausgestellt. Ich stelle mir vor, dass sie auf den Reisen entstehen, von denen Katrin Magens Bilder erzählen. Beispielhaft ist eine Gruppe von kleinformatigen Zeichnungen zu einem großen Wandbild gefügt, denn die Vitrine mit etwa 20 gleichformatigen Tagebüchern ist verschlossen. Man kann aber Collagen und Zeichnungen erkennen, die sich in einem stringenten Farbraum von schwarz-rot-ocker zu bewegen scheinen. Wer es genauer wissen möchte, dem sei der wunderbare Katalog ebendieser Tagebücher empfohlen, der anläßlich dieser Ausstellung entstand und zur Ansicht und zum Kauf ausliegt.


Weiterführende Informationen:

http://www.hinterhaus.de

http://www.kunsthaus-salzwedel.com

Der Hände Tun 7.6.-17.7.2021

Mikos Meininger in der Kunsthalle Brennabor in Brandenburg


‚Es ist höchste Zeit: Mikos Meininger zeigt Malerei, Grafik, Skulpturen und Künstlerbücher in der Kunsthalle Brennabor. Er selbst bezeichnet sich als „Materialbetrachter“, uns erscheint er wie ein Magier, der immer wieder aufs Neue zu überraschen weiß.
Mikos Meininger erforscht das Unbekannte. Das Verborgene. Das Fremde. Die genreübergreifenden Arbeiten befruchten und bedingen einander. Bewusst hält er den Einsatz der Mittel reduziert und steigert den Ausdruck durch die individuelle Bearbeitung der Oberflächen. Seine Werke: Unverwechselbar und leuchtend!

Meininger ist seit 32 Jahren Mitherausgeber der Literatur- und Kunstzeitschrift HERZATTACKE. Im Rahmen der Ausstellung werden Arbeiten von über hundert Kolleg*innen dieser einzigartigen Publikation zu sehen sein.
„Der Hände Tun“ wird Sie berühren, erfreuen, irritieren und stärken.

Versprochen!

Christian Kneisel‘ (Kurator der Ausstellung)


Eine wunderbar reichhaltige Ausstellung mit Malerei, Skulptur und Graphik zeigt derzeit der Potsdamer Künstler mit dem Hut in der Kunsthalle Brennabor gleich am Bahnhof der Stadt Brandenburg. Meininger hat die Ausstellung so aufgebaut, dass auch die Schattenwürfe seiner Bronzen auf den Wänden spielen.

Gleich im Eingangsbereich gibt es eigene und fremde Künstlerbücher zu entdecken. Meiningers Stärke zeigt sich auch in der Kunstvernezung: seit 10 Jahren ist das Kunsthaus Sans-Titre in Potsdam mit einem vielfältigen Programm unterwegs, das sich aus Beiträgen der (bildlichen und textlichen) Künstlern der Herzattacke und verschiedenartigster musikalischer Veranstaltungen zusammensetzt. Das zeigt sich auch im umfangreichen Begleitprogramm der Brandenburger Ausstellung: unbedingt hingehen.


https://freunde-kunsthalle-brennabor.com/

ATMEN. Wortbilder und Künstlerbücher


Noch bis 27.6.2021 ist die Ausstellung zu sehen, aber bereits am 20.6. fand eine festliche Veranstaltung statt, um die am 2.5.2021 eröffnete Ausstellung ‚Atmen‘ der beiden gleichaltrigen brandenburgischen Künstlerinnen Christa Panzner und Christiane Wartenberg ausklingen zu lassen. In den Räumen des Potsdamer Museumshauses ‚Im Güldenen Arm‘, einem wunderbaren barocken Fachwerkbau am Rand der heutigen Innenstadt, fallen als erstes die großformatigen Arbeiten mit ihren kräftigen Rot-Pinktönen Christa Panzners in der Durchfahrt ins Auge.

Im nächsten Raum stellt sich ein großformatiges Gemeinschaftsprojekt der beiden Künstlerinnen aus dem Jahr 2009 in den Weg: es befasst sich mit Genmais, der über den Bildern durchlaufende handgeschriebene Text ist entsprechend in warmem Gelb gehalten.

In den nachfolgenden Räumen herrscht aufgrund der kleineren Arbeiten – die von Christiane Wartenberg sind in schwarz-weiss gehalten – eine entspannte Ruhe vor. Diese wird durch ein gewisses Dämmerlicht unterstützt. Wie aus der Zeit gefallen stehen kleine Lesetischchen vor den kleinen Fenstern und bieten Wartenbergs Künstlerbücher zum Blättern und Lesen an. Die Einheiten aus Stuhl und Tisch beginnen eigene Geschichten zu erzählen, versetzen das Museum zurück in seine Zeit als belebtes Wohnhaus, fast sieht man dort Menschen vergangener Jahrhunderte vertieft lesen. Dazu trägt auch der nachmittägliche Lichteinfall bei, der die Leseorte als eigentliche Raumzentren ausweist. Das Gebäude wird so zum Unterstützer dieser Arbeiten und ihrer nachdenklichen Inhalten.

Womit befassen sich die Malereien, Graphiken und Fotos von Graphiken der beiden Künstlerinnen? Eine Auswahl an Pflanzengedichten von Johannes Bobrowski 1941 aus Russland an seine Frau geschrieben, versammeln sich im zweiten Raum. Chr. Wartenberg hat diese mit der Hand auf Spargelfolie geschrieben, ein schwarzweisses Wechselspiel von Schrift und Untergrund, das sich auf technisch andere Art im folgenden Raum fortsetzt, der Bobrowskis siebenstimmige Erzählung ‚Ich will fortgehen‘ untersucht.

Im letzten Raum wieder gemeinsame Arbeiten. Wir werden auf kleinformatige digitale Arbeiten in schwarzweiss von Christa Panzner zum Thema lockdown hingeführt. Seitlich dazu Wartenbergs ‚Apokalyptische Mits‘. Der Ausstellungstitel ‚Atmen‘ erklärt sich: wir atmen aus.

Blick auf Panzners Arbeiten zum Lockdown

Mit Gitarrenmusik und einer Lesung von Bobrowskis Texten – leider massiv gestört durch Zuspätkommende mithilfe des quietschenden Tores – klingt die feine gemeinsame Ausstellung von Christa Panzner und Christiane Wartenberg an diesem Sonntagnachmittag in Potsdam aus.


Das barocke Typenhaus ist 1737 im Zuge der Errichtung der zweiten Barocken Stadterweiterung unter Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) gebaut worden. In zwei Straßen, in der heutigen Hermann-Elflein-Straße und der heutigen Jägerstraße, bestanden die Häuser komplett aus Fachwerk. Dieses Haus ist das Einzige, das in der Bauart erhalten geblieben ist. Einst lebte und arbeitete hier der Holzbildhauer August Melchior Erhardt, der seine Handwerkskunst und künstlerische Fähigkeit in Form des Portalschmuckes zum Ausdruck brachte.


Codex Polaris

Codex Polaris ist ein Zusammenschluß norwegischer Buchkünstler, der 2013 gegründet wurde, um in Norwegen und den nordischen Ländern eine Plattform für Künstlerbücher zu schaffen. Als Imi Maufe 2009 von England nach Norwegen zog, fehlte ihr alles, was sie von der lebendigen englichen Buchszene gewohnt war: Messen, Gleichgesinnte, Ausstellungen und Sammler. 2011 trafen die Norwegerinnen Rita Marhaug und Randi Annie Strand in Dundee auf Imi Maufe und die Idee zu einer gemeinsamen Plattform für Künstlerbuchprojekte begann zu wachsen.

Ab 2014 fand mit Norsk Boker die erste gemeinsame Ausstellungsbeteiligung in Doverodde/Dänemark statt. Von 2014-2016 entstand auf der Grundlage eines workshops mit Guy Begbie (UK) eine Gruppenarbeit mit 10 weiteren Buchkünstlern: das Projekt Smak av Bok.

Aus der Zusammenarbeit mit Megan Adie und Bent Kvissgard entstand 2018-19 die Bibliothek Nordica. Als tragbare Bücherei sind in einem Holzkasten 90 Künstlerhefte in A6 Grösse versammelt, davon 8 textliche Auseinandersetzungen mit dem Medium Künstlerbuch in den nordischen Ländern (hier der download: https://www.codexpolaris.com/texts.html).

Sigla-Binda heisst die Zusammenarbeit zwischen der Künstlergruppe Arkir aus Island und Codexpolaris. Jeweils 5 Künstler beider Gruppen stellen Künstlerbücher in eine Auseinandersetzung mit alten Manuskripte und Alltagstraditionen. Daraus wird bis 2022 eine Ausstellung entstehen, die ebenfalls so kompakt ist, dass sie reisen kann.

Arbeiten von Imi Maufe

Arbeiten von Randi Annie Strand

Arbeiten von Rita Marhaug

Imi Maufe, Rita Marhaug and Randi Annie Strand nahmen 2021 an der Buchausstellung in der Kunsthalle Kristiansand in Norwegen teil. Diese Ausstellung samt Einzelschwerpunkten zeigen die obigen Bilder. Die Fotos stammen von den Mitgliedern von Codex Polaris und Tor Simen Ulstein – vielen Dank dafür.


here some statements by Codex Polaris:

CODEX POLARIS established in 2013 – is a book artist group based in Bergen, Norway that creates opportunities and exhibiting platforms for artists who work with books in Norway and the Nordic countries. Alongside the exhibition program, Codex Polaris invites guest co-organisers to work on various networking projects, and writers to contribute with text works. Rita Marhaug, Imi Maufe and Randi Annie Strand are the organisers behind Codex Polaris. 

The resulting Codex Polaris project discussed here show what a group of independent artists can achieve over 7 years, engaging with and creating opportunities for artists to work with books, growing alongside an expanding artist’s book and art book publishing community in Norway and the northern countries.

all pictures shown by Codex Polaris


We will next be showing work at CHART Art FAIR in Køpenhavn in August (all going to plan) https://chartartfair.com alongside 30 other stands of Nordic Books. 

www.codexpolaris.com

https://www.imimaufe.com/

The Library of Ice

Nancy Campbell untersucht Eis als Sprachgenerator, als Lebens- und Erwerbsumfeld, als Sportuntergrund, als Sehnsuchtsort von Abenteurern, als archäologischen Forschungsgegenstand, als Lagerort von Rohstoffvorkommen, als kulturellen Bezug für Kunst und Literatur. Nancy Campbells ‘The Library of Ice‘ ist auch ein Buch für Liebhaber von Büchereien. Selten habe ich so viele verschiedenartige beschrieben bekommen, denn der Leser begleitet sie in ihre jeweiligen Forschungsstätten.

Der Reiz dieses roadmovieartigen Buches, was uns auf eine weltweite Forschungsreise mitnimmt, die mythische 7 Jahre dauerte, besteht in den vielen Begegnungen, die persönlich und distanziert zugleich bleiben, egal ob mit dem Team des schottischen Kinross Curling Clubs und – noch wichtiger – mit seinem Eisbahnwart, ob mit Jägern in Grönland oder Künstlern in der Serpentine Gallery in London oder mit Menschen aus Dokumenten vergangener Jahrhunderte, die mit gleicher Faszination der Antarktis verfallen waren.

So springen die Erzählräume zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her: die für uns weit entfernt scheinende Vergangenheit mit einem Leben voller Abhängigkeiten von Naturgewalten und Tieren in arktischen Gegenden ist bei Scott, Amundsen und Franklins Expeditionen genauso beeindruckend geschildert wie die jetzigen Lebensumstände der Bewohner Grönlands.Unaufgeregt erzählt Campbell von eigenen und einheimischen alltäglichen Anpassungsleistungen an Wetter, Schnee, Eis und Klimaveränderungen. Obwohl die Erreichbarkeit zwischen den Orten ohne feste Verbindungsstrassen eher vom Wasser aus erfolgt, findet sich auf Grönland jede Form der globale Konsum- und Dienstleistungswelt.

Es geht in diesem Buch deshalb auch um Seßhaftigkeit und Sprache bzw. Schrift als Mittel von Eroberungen, um Verdrängungen durch Klimawandel, Migration, um dauernde Anpassungsleistungen des Menschen an seine Umgebung – oder andersherum? Campbell jedenfalls beschreibt das Jagen mit Schlittenhunden als gleichberechtigte, wenn auch verschwindende arktische autarke Lebensform.

c.kreiser ca. 2015

Was ich mag an Campbells Erzählen, ist die fein verwobene Art, Fundstücke aus persönlich rlebtem Gegenwart und recherchierter Vergangenheit zusammenzubinden. Mit viel Achtung begegnet sie Menschen und deren Lebensumständen, aus wenigen Sätzen entstehen kristallklare Porträts. Wird sie auf einer abgelegenen Farm abgesetzt, die nur wenig Forschungsmaterial zum grönländischen Schriftsteller Porbergur aufzuweisen hat, bietet auch dieser Mangel genug Stoff zu kulturhistorischen Überlegungen über Teilhabe, weil die Texte nicht ins Englische übersetzt wurden.

Spürbar ist Nancy Campbells Liebe zu Museen und Büchereien, dem Forschen überhaupt. Egal ob Britisches Museum oder Halley VI Researchstation in der Antarktis, stets findet der Raum samt Mitforschenden Erwähnung. Wir können uns gut vorstellen, unter welchen Umständen ihre Recherchearbeit gerade stattfindet. Sie beschreibt Rückräume und Abkürzungen durch öffentliche Sammlungen, läßt sich auf Zufälle am Wegrand ein, geht verloren im verschneiten schweizerischen Bergwald. Lauter Bilder, die auch das mäandernde Fortschreiten von Wissensaneignung sein könnten.

‘The Library of Ice‘ ist ein dichtgepacktes Buch, das seine Sogwirkung erst nach und nach entfaltet – dann allerdings möchte man immer mehr von dieser unaufgeregten Zusammenschau seltsamster Fakten, die dennoch alle miteinander verbunden sind, lesen. Man beginnt zu glauben, an einem langen, dunklen Tag dazusitzen und Nancy Campbell beim Erzählen zuhören zu können, während Schnee und Eis die Außenwelt langsam in Bedeutungslosigkeit versinken lassen.


The Library of Ice

‘The Library of Ice‘ by Nancy Campbell actually does what the title announces: to talk about the manifold aspects of ice and about libraries, the places she visited to find deeper knowledge on her chosen topic.

Nancy Campbell

The Library of Ice  

(London 2018)

I featured this book because I have long appreciated Nancy Campbell’s wonderful artist’s books. I am also happy to own recent poems on flowers by her (commissioned by Bristol University). And I’m still annoyed of having missed her at a joint event in Berlin in 2019.

Between the Sheets 2021: Artists‘ Books at the Gallery East in Perth/Australia

The exhibition is now open but the official launch is re- set for Thursday 6th May.

In the meanwhile, the Floor Talk last Saturday attracted 40 people who were enthralled  by Christopher Crouch’s analysis of the nature of artists’ books, their place in art practice  and their connection to the viewing audience. For reading the complete Floor Talk please look here: https://www.galleryeast.com.au/general/books%202021/main4.htm

view of the exhibition by David

‚Between the Sheets‘ 2021 is the fifth biennial exhibition organised by Gallery East in Western Australia of artists‘ books from all over the world, but mainly from Australia. Despite the social upheaval, disruption of everyday lives, not least in art schools, and a sclerotic postal service, caused by the pandemic, the high level of representation by leading international and Australian artists working in this field experienced over the last decade was sustained for the 2021 exhibition. We greatly welcome the 65 works from 55 artists represented in this outstanding show.


Matching the lovely presentation, which gives each of the participating artworks the space it needs, a cataloque was printed, showing the riches of ideas and materials employed. The range is enourmous between sculptural und graphic attitudes, many experiments with rare materials show the conceptual approahces to the chosen topics. Please take a look for yourself: the catalogue is online: https://www.galleryeast.com.au/general/books%202021/main1.htm


30 April– 22 May 2021 Monday – Friday 10am – 4.30pm Saturday 12 – 3.00pm



GALLERY EAST

406 Hamilton Road, Lake Coogee, Western Australia 6166

Tel: (08) 64989833

David Forrest CBE: 0405 698 799  Janis Nedela: 0407 385 335

Web: www.galleryeast.com.au

Between the Sheets: Artists’ Books 2021 https://www.galleryeast.com.au/general/books%202021/main%20invitation%20to%20apply.htm


SchriftBildKörper

Ausstellung meiner Künstlerbücher

Eröffnung am Welttag des Buches 23.4.2021


Es handelt sich um Arbeiten zum Thema Lesen und Schreiben aus den letzten Jahren. Auch dabei sind einige Lesenotizbücher, die sich wunderbar für eigene Kommentare zu dem vorgestellten Buch und anschließendem Austausch mit anderen Lesern eignen. Andere Buchobjekte untersuchen die Schnittstelle von analoger zu digitaler Schrift bzw. auch das damit sich verändernde Leseverhalten.

SchriftBildKörper setzt sich mit der Körperlichkeit des Schreibens auseinander.
Text ist etwas Amorphes, das Platz nimmt auf Oberflächen, sich von dort in uns hineinschlängelt, sammelt, neu mischt und wieder nach draußen befördert wird: wir schaffen Spuren.

Monotypien, Siebdrucke, Linolschnitte, Digitaldrucke und Risographien
sind die dafür verwendeten Techniken


Untenstehend ein Rückgriff auf die unvoreingenommene Sprachforschung durch Wilhelm von Humboldt:

‚in blaugrüne Sprachgründe absinken‘ enstand 2018.

  vom 23.4. bis 30.7.2021 zu sehen unter den üblichen Hygienebedingungen

in der Fouqué Bibliothek Brandenburg/Havel am Altstädtischen Markt

und

voraussichtlich auf der website der Bibliothek als filmischer Aufbaurundgang


Mein Katalog ‚Schreiben, Denken, Lesen‘ wird in der Ausstellung für 3,-€ erhältlich sein.


Diese Ausstellung gehört zur Veranstaltungsreihe der 2. Brandenburgischen Tage des offenen Buches: