Washi – was ist das eigentlich?

Die Technik, aus beliebigen Pflanzenfasern und Neri Papier zu erzeugen, gibt es seit mehr als 1300 Jahren. Mit dem Aufkommen von Papier aus Holzschliff in Japan, in der Meiji-Restauration (ab 1868), verlor das traditionell erzeugte Japanpapier seine Rolle als Massengut, und so wird es heute dem Kunsthandwerk zugeordnet.

Washi Papier ist handgeschöpftes, durchscheinendes Papier aus Japan. Es wird auch als Reispapier bezeichnet, obwohl es nicht aus Bestandteilen von Reispflanzen besteht. Man unterscheidet folgende Arten:

  • Tesuki Washi: handgemachtes Papier (Washi)
  • Kikaizuki Washi: maschinell hergestelltes Papier
  • Yoshi: maschinell hergestelltes Papier westlicher Art

Japanpapier wird aus Bastfasern von Gehölzen niedriger Wuchshöhe gewonnen. Die bekanntesten darunter sind:

Weiter werden Kurara Sophora flavescens (Syn.:Sophora angustifolia) Fasern aus Rinde und Stielen und Asa Hanf Cannabis sativa verwendet. Auch Abacá (Manilahanf), Baumwolle, Pferdehaare, Rayon, Silber- und Goldfolien werden verwendet.[3] Weitere sind der Muku-Baum Aphananthe aspera, Boehmeria platanifolia, die chinesische Wisteria Wisteria sinensis, die weiße Maulbeere Morus alba.[4]

Gampi wächst nur in mildem Klima. Ihre Fasern ergeben ein beständiges Papier. Es wird immer seltener angebaut und ist dadurch auch teurer. Kozo wird häufiger angebaut. Die Papiere aus dieser Pflanze sind sehr zäh. Aus Mitsumata werden Papiere mit feiner Faserung und besonderer Weichheit hergestellt.[5]

Kozu und Mitsumata werden im Winter geschnitten, die Stämme auf halbe Länge gebunden und die Rinde über heißem Dampf ausgelöst. Diese werden dann gewaschen und mit Alkalien (Ätznatron, Natriumcarbonat, Linden- und Holzasche) gekocht, um das Auflösen der nicht-cellulosen Materialien in den Bastfasern zu erleichtern, dann nochmals gewaschen und dann durch Schlagen oder Klopfen zerkleinert (Kokai), dann nochmals gewaschen (Kamidashi). Darum sind manche Papiersorten auch besonders widerstandsfähig. Oft werden die Fasern der genannten Sorten in verschiedenen Mischungsverhältnissen verwendet.

Zur Fasermischung können Pflanzenschleime zugegeben werden. Diese werden als Neri bezeichnet, sie werden aus verschiedenen Pflanzen gewonnen und können auch untereinander gemischt werden:

Neri hat als Zusatz zur Papierpulpe die Aufgabe, die Fasern in der Schwebe zu halten. Neri ist wirkungsvoll, wenn es mit weichem Wasser wie in Japan verwendet wird, aber ist nutzlos, wenn es mit hartem Wasser benutzt wird. Ursprünglich wurde die Papierherstellung von China an Japan weitergegeben. Nur mit Neri kann ein so dünnes Papier hergestellt werden.

Man unterscheidet also zwei Arten: Nagashi-zuki (mit Neri), produziert ein dünneres Papier, während Tame-zuki (ohne Neri), ein dickeres Papier erzeugt. Japanpapier hat eine Länge von 120 bis 150 cm.

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Nachdem viel Wasser zugegeben wurde, wird der Rohstoff mit einem Bambussieb (Suketa) geschöpft. Nach ein bis zwei Minuten, und nachdem Verunreinigungen entfernt wurden, wird der nasse Bogen in Stapeln übereinander gelegt (Shito). Es erfolgt der Vorgang des Pressens, bei dem das Wasser fast komplett herausgedrückt wird, dies geschieht in der Regel über Nacht. Am nächsten Tag werden die feuchten Papiere zwischen zwei größere Bretter gelegt und mit einem Kompressor gepresst, um die Feuchtigkeit zu entfernen, dann werden sie zum Trocknen gebracht.

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Die gepressten Papiere werden sorgfältig aus dem Stapel entfernt und auf Holzplatten gebürstet, um auf natürliche Weise oder auf mechanischen Trocknern (dampfbeheizten Metalloberflächen) zu trocknen. Die Holzbretter der Kiefer, Rosskastanie und japanischen Zypresse werden als Trockenbretter verwendet. Das beste Holz für die Trocknung ist aus Ginkgo-Baum, da es eine glatte, ebene Oberfläche hat. Der oberste Bogen wird dann jeweils wie eine Fahne auf ein Brett gelegt und mit einer Bürste gebürstet (siehe Bilder). Deshalb ist eine Seite des Bogens glatt, die andere etwas rauer. Das Trocknungsverfahren, natürlich (Itaboshi) oder mechanisch (Joki Kansoki), beeinflusst das fertige Papier. Insbesondere wenn dickes Papier durch einen mechanischen Trockner getrocknet wird, neigt die Oberfläche des Papiers dazu, flockig und übertrocknet zu werden.

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Die fertigen Papiere können mit Dosa (aus tierischem Leim und Alaun) (um die Tintenausblutung zu verhindern), Konnyaku-Pulver (Teufelszunge Amorphophallus konjac) (eine Stärke, erhöht die Nassfestigkeit) oder Kakishibu (Persimmon-Tannin, die unreifen Früchte von Kaki werden zerkleinert, entsaftet und fermentiert), behandelt werden.

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Es gibt je nach Region, Herstellungsperiode und Verwendung eine spezielle Bezeichnung für das Papier. Jedes Papier hat seine speziellen Eigenheiten und Merkmale. Obwohl technischer Fortschritt und sich ändernde Moden zu einem rapiden Niedergang der traditionellen Washi-Herstellung in Japan führte, gelten heute noch die drei Regionen Mino in der Präfektur Gifu, Ogawa in Saitama und Misumi in Shimane als Zentren der traditionellen Papierherstellung. Das dortige Handwerk wurde im Jahr 2014 sogar in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Japanpapier findet vor allem in der traditionellen Tuschmalerei Verwendung. Es wird aber auch in vielen anderen künstlerischen Bereichen benutzt. Ebenso bei der Restaurierung alter Bücher, um Lücken im Papier und Fehlstellen zu beheben bzw. auszugleichen, bei der Herstellung von japanischen Shōji-Schiebewänden sowie der Erstellung von Oshigata.


großteils übernommen von https://de.wikipedia.org/wiki/Japanpapier vom 03.6.2021

weiterführende Quellen:

https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/kunsthandwerk/washi/

https://wanamour.de/blog/handcrafts/washi

https://isewashi.co.jp/sub1.html

https://hidanotaka.com/tag/tosa-washi/

https://ito-yarn.com/de/yarn/ito-washi

https://www.ozuwashi.net/en/

http://www.windmusik.com/html/papier.html

https://awagami.com/


  • Therese Weber: Die Sprache des Papiers. Eine 2000-jährige Geschichte. Haupt, Bern 2004, ISBN 3-258-06793-7, Kultur- und kunsthistorische Aspekte zu Papier in Asien und Europa sowie PaperArt.
  • Therese Weber: Washi. Vergangenheit und Gegenwart der japanischen Papiermacherkunst. Verband Schweizer Papier-Historiker, Basel 1988 ISBN 3-909051-01-4 limitierte Aufl., eine technische und historische Erläuterung.
  • Peter F. Dunkel (Hrsg.), Irmtraud Schaarschmidt-Richter (Text): Japanisches Papier. Handwerk und Kunst. Referat Kultur der Stadt Kaiserslautern 2003.
  • Irmtraud Schaarschmidt-Richter: Washi. Handwerk, Kunst und Gebrauch des japanischen Papiers. Thunum: Ed. Peperkorn 2006, ISBN 978-3-929181-71-5.
  • Dominique Buisson: Japanische Papierkunst. Masken, Laternen, Drachen, Puppen, Origami. Terrail, Paris 1992, ISBN 2-87939-010-9.
  • Mariko Takagi: Washi. Eigenverlag Mariko Tagaki, Meerbusch 2001.
  • Françoise Paireau: Papiers japonais. Biro, Paris 1991. ISBN 2-87660-110-9.
  • Sukei Hughes: Washi. The world of Japanese paper. Kodansha International, Tokyo 1978.
  • Bunshō Jugaku: Paper-making by hand in Japan. Tokyo 1959.
  • Dard Hunter: A Papermaking pilgrimage to Japan, Korea and China. Pynson Printers, New York 1936.
  • Doris Prabhu: Washi. Eine Reise ins Japanpapier. Frieling, Berlin 1988 ISBN 3-89009-048-6 einmalige limitierte Auflage auf Washi (Washi-Herstellung durch die Autorin), philosophischer Abriss zum Thema Papier, Kunstbuch.
  • Robertta A. Uhl: Japanese Washi Paper Crafts. Tuttle Publishing, 2007, ISBN 978-0-8048-3813-9, S. 5.


Am Wasser (28.4.-30.5.2021)

‚Am Wasser‘ im doppelten Sinne befindet sich meine neue Ausstellung am Scharmützelsee östlich von Berlin.

In der alten Schulscheune in Radlow-Diensdorf bei Bad Saarow, zwischen Waldrand und direktem Blick aufs Wasser, werden seit dem 28.4.2021 vierundzwanzig meiner aktuellen Drucke zum Thema Wasser gezeigt. Vorwiegend Holzschnitte, aber auch Linolschnitte, Monotypien und Mixtechniken sind zu sehen.

Im Moment kann man nur einen Blick durch die Fenster des gepflegten kleinen Innenhofs erhaschen, leicht verschwommen, wie unter Wasser, blickt man auf die ruhige Stimmung einer dahin fliessenden Oder, Havel und der für die Gegend typischen Entwässerungsgräben. Gegenüber finden sich Bilder eines aufgeregten Meeres, vielgestaltiger Strandstrukturen, drohender Gewitterwolken.

Es geht um die Lebendigkeit weiter Landschaftsräume durch Schatten, Wind oder Pflanzen. Statt eines schnellen Blickes kann man sich in die Tiefe der Bilder hineinziehen lassen und stets neue Andeutungen entdecken. Diese spezielle Wirkung entsteht durch den Handabrieb, der viele Einzelbetonungen innerhalb der zu druckenden Flächen zuläßt und aus jedem Druck ein Unikat macht.


Die Ausstellung wird von einem Katalog für 4,- € begleitet. Alle Arbeiten sind verkäuflich. Ausserhalb des Lockdowns wäre die Alte Schulscheune täglich (ausser mittwochs) von 11-16.00 Uhr geöffnet: Schulstr. 1 in Radlow-Diensdorf.

Möglicherweise kann am 30.5.2021 eine Finissage mit Texten von Olga Tokarzcuk zu den Bildern stattfinden. Bitte informieren Sie sich über die website der Alten Schulscheune: https://www.alte-schulscheune.de/events/1474

Ein wunderbares Ausflugsziel mit kleinem Cafe und Aussensitzbereich, eingebunden in ein Netz von Wander- und Radwegen, selbst zu Fuß ist die Alte Schulscheune von Bad Saarow aus in unter einer Stunde erreichbar.


Diese Ausstellung gehört in zu den 2. Offenen Tagen des brandenburgischen Buches, deren reichhaltiges Programm am 30.4. beginnt und bis in den Juni hineinreicht. Mögen möglichst viele der wunderbaren Lesungen, Aufführungen und workshops, die schwerpunktmäßig im Oderbruch zu finden sind, und das ganze Land Brandenburg bespielen, stattfinden können!

Nora Schattauer über Zeichnen

Zeichnen ist, wenn Denken bewusst oder unbewusst eine Spur hinterlässt!


Wenn ich zeichne, ist es kein Betrachten einer Sache, die ich abbilden möchte. Es ist mehr ein hinein- oder durchschauen. Die Basis ist die Beobachtung von gesellschaftlich Gegebenem, worin ich evidente oder versteckte Strukturen versuche zu verstehen.


Die genaue Beobachtung eines Phänomens, eines Geschehens oder einer Situation ist bereits geschehen und hat sich über eine Weile hinweg als Sediment von Erfahrung in mir abgelegt. Das Zeichnen selbst ist dann ein „abtasten“, fast wie im Dunkeln. Als würde ich den Body einer Fotokamera von innen abtasten, um alle Nebengeräusche und Rauschen herunterdimmen zu können, und mich gänzlich der Struktur verschreiben zu können.

Das was ich zeichne, taucht dann auf, oder es ist im Begriff schon wieder zu verschwinden. Beides sind Zustände, die in ihrer Bewegung, im Werden, nicht genau festzuhalten sind; für die ich dennoch versuche, eine Sichtbarkeit und Form zu finden. Daher hat meine Zeichnung etwas mit Durchlässigkeit und der Instabilität von Zuständen zu tun.


Der Anfang des Zeichnens ist stets vorsprachlich. nicht genau benennbar und absichtslos. irgendwann zeigt sich dann das durch die Beobachtung Verstandene fast wie von selbst und taucht auf. Dann muss ich es nur noch erkennen. (wach sein)

Nora Schattauer zitiert auf der website von revolver publishing am 13.10.2018

https://revolver-publishing.com/schattauer-nora-draw-1.html


Nora Schattauers Zeichnen ist insofern sehr dem Schreiben verwandt, das durch seine feinmechanischen Eigenheiten und die Verteilung auf einem Untergrund Einfluß auf das Denken ausübt, also bidirektional zwischen Absicht und Weg angelegt ist. Ohne die zeichnerische Gegenwart würden unsere Gedanken eine andere Form annehmen. Durch Zeichnen und Schreiben gelingt es, Gedanken zu formulieren.


Olaf Pawlicki

Beinahe-Nachbar, eifriger Mitorganisator von Radio Pax, Weltreisender, Musikkenner, Drucker, Schriftsetzer und Bastler – kam mich eines Nachmittags besuchen – der Anlass war mir unklar – und brachte zwei schwere Tüten mit. Bei Gebäck und Tee griff er (fast wie der Nikolaus) immer wieder in seine beiden Säcke und holte wunderbarste Schätze hervor.

Selbstgebundenes und Selbstgeschriebenes. Reiseberichte, Notizblöcke, Grußkarten, Jahresendgeschenke in einer solchen Bandbreite, daß der Nachmittags schnell in tiefste Dunkelheit übergegangen war und wir kein einziges Mal an das coronakorrekte Lüften gedacht hatten, so vertieft waren wir in all die kleinen Finessen, die mir beim ersten Draufschauen entgangen waren.

Das Faltblatt enthält Gedanken zu den Abbildungen. Der zweiteilige Schuber wurde passgenau aus einlagigem Wellkarton gefaltet und geklebt. Die Griffrundungen sind mit einer Kalenderstanze ausgestanzt. Die Hartgummi-Lettern eines uralten Spielzeug-Druckerei-Sets haben mir schon oft gute Dienste geleistet.

Bei *fakebook* zum Beispiel das weisse f auf blauem Grund, was umfangreicher Maßnahmen mit versch. Druckstockhöhen bedurfte. Der geleimte offene Rücken, mit dem einzelne Heftchen zum Buch werden. Die Überlegungen zur Farbigkeit. Aber das lasse ich am besten Olaf selbst erklären:

‚Als mir so ein Fakebook einfiel und ich über die Machbarkeit sann, musste ich erstmal gucken, wie das Zeichen von facebook überhaupt aussieht. Kleines Büchlein mit vielleicht 80 Seiten (nie gezählt), Fadenheftung, offener Rücken. Eingefügte Seiten mit Text vom Computer-Drucker plus handschriftliche Zueignung. Umschlag edler »Glitzer«-Karton mit Aufdruck. Orangefarbener Punkt sowie Schriftzug im Blinddruck. War erst ohne die blaue Fläche gedacht. Eher zufällig kam ich darauf, dass ich ja das »f« tiefer in den Karton hineindrucken könnte um danach eine blaue Fläche (die ebenso wie der Rückseiten-Punkt zufällig in dieser Größe vorhanden war) auf das »f« zu drucken, aber mit weniger Druck. Deshalb wird die tiefste Stelle des Buchstabens im Karton nicht blau eingefärbt.‘

Ohne Reisetagebuch fahre ich nicht in die Welt hinaus. Es ist Gedankenfänger, Erinnerungsstütze, Kommunikationsmittel, sogar Andenkensammler in Form fremder Handschriften. Bei der Auswahl des Papieres spielt die zu erwartende Witterung eine Rolle. Gut beschreibbar soll es sein und das Büchlein muss unbedingt fadengeheftet sein, damit es nicht unterwegs auseinanderfällt. Die etwa notwendige Seitenanzahl kann ich ganz gut abschätzen.

Gestalterisch lasse ich mich von Imaginationen zu den Reisezielen inspirieren. Der Blinddruck im Java/Bali-Buch ist eine Assoziation über tropische Urwälder, im Falle Armeniens ist das eingebundene bedruckte Pergament Spielerei und in seiner Zartheit auch ein netter Kontrast zum Namen des Landes. Denn Armeniens Selbstbezeichnung »Hajastan« bedeutet »Land der Steine«. Bei dem Indien-Buch wollte ich unbedingt Siebdruck benutzen, denn Siebdruck, oder Durchdruck, ist in Indien überall dort die erste Wahl der Druckverfahren, wo keine klimatisierten Druckereien möglich sind. Nämlich auf dem Land und in den ärmlichen Gegenden der Städte. Also ziemlich häufig. Für den Schriftzug habe ich eine Schablone aus Karton gefertigt und mit Goldstaub vermengten Leim aufgestrichen. Mit diesem Leim habe ich auch den Rücken des Heftes nachgeleimt. Zur Zierde. Auch die Farben der Umschlagpapiere sind bewusst leuchtend gewählt. Doch weil ich mich nicht zwischen Rot und Blau entscheiden konnte, sind beide drumgeblieben. Auch das entspricht ja der Vielfarbigkeit des Landes. Diesmal hatte ich einige einzelne andersfabige Schreibbögen zur Unterteilung des Seitenblockes eingebunden. Der offene Buchrücken ist mir dabei sehr lieb  geworden, weil er ausreichend stabil, einfach in der Herstellung und variabel in der Gestaltung ist.


Für sämtliche Fotos und die Texte in kursiv bin ich Olaf zu Dank verpflichtet.

{Künstlerbücher für alles}

 

Katalog, hrsg. vom Zentrum für Künstlerbuchpublikationen Bremen 2020


Auflage 1000 Stück, 400 davon gingen an die Teilnehmer der gleichnamigen Ausstellung, die vom 2.6.-6.8. 2017 im Museum für Moderne Kunst/Weserburg in Bremen stattfand.


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Es handelt sich hierbei um ein zweisemestriges Projekt unter Leitung des Zentrums für Künstlerbuchpublikationen mit Studierenden der Kunst- und Kulturvermittlung an der Uni Bremen, was offenbar von der Konzeptionierung über den Teilnahmeaufruf bis hin zur Präsentation und Katalogisierung der Beiträge reichte. Das erklärt möglicherweise auch den zeitlichen Abstand von mehreren Jahren zwischen Ereignis und Katalog, die üblicherweise am Tag der Eröffnung zusammentreffen.

Dieter Roths hat mit seiner ‚Zeitschrift für alles‘ von 1975 hat die Idee für die Aktion gestiftet.

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Das nun vorliegende 2160 gr. schwere Buch ist die Dokumentation der eingesandten Arbeiten. Diese werden mit einem Foto und dem damals abgefragten Teilnahmebogen gezeigt, vorangestellt eine kurze, allgemein gehalten Einführung (ohne Verfasserangabe) in das Thema Künstlerbücher, die nicht Bezug nimmt auf die anschließend alphabethisch vorgestellten Arbeiten. Es gibt also weder inhaltliche noch formale Gruppenbildungen, ebenso wie 2017 in der Ausstellung wird dem Betrachter das Gesamtkonvolut kommentarlos und unkuratiert übergeben.

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Die schiere Menge an 400 eingereichten Büchern – meist handelt es sich tatsächlich um die klassische Buchform, Buchobjekte oder Fanzines sucht man vergeblich – schafft es tatsächlich, einen gewissen Eindruck des Genres zu vermitteln. Zwar waren in der Ausschreibung Unikate und Kleinstauflagen ausgeschlossen, trotzdem finden sich auch davon einige. Ebenso sind nur wenige Bücher von Künstlern, die in anderen Gattungen tätig sind, vertreten. Das ist aber der eigentliche Sammlungsschwerpunkt des Zentrums für Künstlerbuchpublikationen. Stattdessen handelt es sich um viele Einzelwerke aus den typischen Großstädten kreativer Produktion wie Berlin und Bremen, Düsseldorf und Köln. Weltweit sind 32 Länder neben den überwiegenden dt. Beiträgen vertreten. Auch von aktuellen Buchkünstlern findet man nur wenige, bekannte Namen wie Sarah Bodman oder Ruth Wolf-Rehfeldt sind die Ausnahme. Es handelt sich hier also um eine Art Nischenquerschnittsuntersuchung: wie stellt sich das Thema Künstlerbuch 2017 abseits der gängigen Kunstbewegungen dar. Entsprechend wird dieses Konvolut auch als geschlossene Sammlung im Zentrum für Künstlerbuchpublikationen verwahrt.

20200523_115534Gern hätte ich mehr zu den einzelnen Büchern und Buchanlässen erfahren, die nur mit einem Foto der Buchdecke vorgestellt werden. Insofern überwiegt nach langem Warten auf die Erscheinung der Publikation die Enttäuschung über das nicht vorhandene Layout und die ausbleibende wissenschaftliche Bearbeitung des unentgeldlich eingesammelten Künstlerbuchmaterials.

 

 

 

Schriftgestalter Hermann Zapf

 

Ergänzend zu dem letzte Woche vorgestellten Buch hier ein Beitrag über Herman Zapf, der im Buch von Lena Zeise nicht vorkommt. Anlaß ist sein 5. Todestag am 4.6.2020.

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Im Jahre 1918 ist Hermann Zapf als Sohn eines Gewerkschafters in Nürnberg geboren, den die Nazis aus seinem Beruf drängten, wurde dann auch der junge Hermann Zapf bald in seiner beruflichen Ausbildung behindert. Er durfte sich sein Lehrfach – er wollte eigentlich Elektroingenieur werden – nicht aussuchen und begann schließlich eine Lehre als Retuscheur. Privat besorgte er sich als Jugendlicher Rudolf Kochs Buch „Das Schreiben als Kunstfertigkeit“ und brachte sich selbst das Zeichnen von Schriften bei. Früh wurden andere auf diesen begabten jungen Mann aufmerksam, so dass er bereits mit 20 Jahren für die Schriftgießerei D. Stempel AG in Frankfurt am Main arbeitete. In wenigen Jahren schuf er mit der Palatino eine wunderschöne Schrift, die der 30-jährige 1949 vorlegte und welche die Welt des Druckes eroberte. Diese nach dem Renaissancekünstler Giambattista Palatino und einmal als „sichere und freundliche Schrift“ bezeichnete Schrift gehört bis heute zu den beliebtesten überhaupt.

Hermann Zapfs Werk hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Typografie in der ganzen westlichen Welt beeinflusst. Nicht zu trennen ist sein Werk von der Begegnung mit der im Januar 1918 geborenen Gudrun von Hesse. Ohne sich zu kennen, hatten beide unabhängig voneinander dieselbe Leidenschaft, nämlich im Selbst-Studium aus denselben Büchern alles über Schrift zu lernen; er in Nürnberg, sie in Weimar. In Frankfurt schreibt Gudrun von Hesse einen Hölderlin-Text in einer klassisch schönen Antiqua. Von ihr schneidet sie später selbst Prägestempel zum Vergolden ihrer Einbände. Das Credo für ihre Bücher: Schriftentwicklung, Gestaltung und Herstellung – alles aus einer Hand.

Im Jahr 1948 kommt es zu einer folgenreichen Begegnung. Bei einer Ausstellung am Städel in Frankfurt präsentiert Gudrun von Hesse einen mit der Hand geschriebenen Hölderlin-Text. Hermann Zapf und dem Direktor der Stempel AG gefällt diese Schrift außerordentlich. Man beschließt, daraus eine Druckschrift zu entwickeln, die Gudrun später „Diotima“ nennt. Wenige Tage später begegnen sich Hermann Zapf und Fräulein von Hesse persönlich. Am 1. August 1951 wird geheiratet. Von beiden geht eine die Schriften und die Typografie der Welt verändernde Bewegung aus. In den folgenden Jahren entstehen von Hermann Zapf und Gudrun Zapf von Hesse zahlreiche Schriften. Sie eroberten die Druckereien der Welt und bilden gewissermaßen ein Zapf-von-Hesse-Schrift-Universum, das aus über 180 Schriften besteht.

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Bereits in den 60er Jahren konzentriert sich Hermann Zapf auf die Digitalisierung von Schrift. Frühe Studien zeigen die Auflösung schwungvoller Rundbögen in Raster- und Vektor-Grafiken. Darin endlich triumphiert sein konstruktives Ingenieurs-Denken. In Deutschland ist er mit diesen Pionier-Arbeiten seiner Zeit weit voraus. In den USA dagegen stoßen seine Digitalisierungs-Ideen sofort auf Begeisterung. Am Rochester Institut of Technology wird eigens für ihn ein Lehrstuhl für „Typografic Computer Programming“ eingerichtet, von dem aus er seinen Schrift-Enthusiasmus auf junge amerikanische Designer überträgt. Ab 1977 pendelte er für eine Dekade zwischen Darmstadt und Rochester. Es ging um nichts weniger, als alle Kenntnisse und Tricks des typografischen Fachs in die digitale Welt des Computers zu überführen. In New York gründet er auch eine eigene Firma, die Konzepte für Typografie-fähige Computer-Anwendungen entwickelt (DPII). So wird Steve Jobs auf ihn aufmerksam. 1984 ist Hermann Zapf einer der 20 Auserwählten, der von Apple einen 128k Mac geschenkt bekommt. The cube. Hermann Zapf versteht es als Herausforderung. Er arbeitet mit dem Gerät.

Ein Jahr später lädt Steve Jobs ihn und sein Team nach Cupertino ein. Dort präsentieren sie das Programm ihrer Firma Design Processing International. Später finden viele seiner berühmten Schriften Eingang in die Mac History und sind immer noch serienmäßig auf modernen Apple-Computern installiert.

In allen seinen Schriften, die oft gleichzeitig auf unterschiedlichste Quellen zurückgreifen, seien sie nun ein Jahrzehnt alt oder ein Jahrtausend, spiegelt sich seine Liebe zum Handwerk: die Synthetisierung ist der eigentlich kreative Akt. Seine exzentrische, mit programmierten Varianten bestückte Schmuckschrift Zapfino Extra wurde 2001 von Apple erworben und von Akira Kobayashi digitalisiert. Zapf war jetzt schon über 80 und ließ sich jeden Tag etwas einfallen.

Hermann Zapf war zeitlebens offen für andere Kulturen. Er entwarf auch kyrillische, hebräische, arabische Schriftzeichen, außerdem das pannigerianische Alphabet sowie die Sequoyah-Silbenschrift der Cherokee-Indianer. Sein Engagement reichte bis in unwahrscheinliche Nischen. Die Frau eines Industriellen in Pittsburgh etwa stiftete eine Sammlung rarer botanischer Bücher. Für den Sammlungskatalog der Universität wünschte sie eine spezielle Schrift – Zapf lieferte sie, die Hunt Roman. Er ließ sie dort, als Rarität, für Connoisseure.

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Hermann Zapf hat als Typograf die deutsche und auch die internationale Typografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich geprägt. Seine Schriften haben an prominentesten Orten Verwendung gefunden, so unter anderem auch bei der nationalen Gedenkstätte der USA, dem Vietnam Veterans Memorial der Künstlerin Maya Ying Lin, die eine Schrift Hermann Zapfs verwendete für die Gravur der Namen der im Vietnam-Krieg gefallenen amerikanischen Soldatinnen und Soldaten.

Zahllose Preise und Ehrungen begleiten den gemeinsamen Weg von Hermann Zapf und seiner Frau Gudrun. Unter anderem wurde im Jahr 2002 in San Francisco der 2. September zum Hermann and Gudrun Zapf-Day erklärt. Diese Ehrung für einen Schrift-Designer ist ohne Beispiel.

Hermann Zapf hat über seine Schriften hinaus ein umfangreiches graphisches Œuvre geschaffen und kann als eine zentrale Gestalt der Typografie und des Buchdrucks gelten. In seinen Worten war Schrift „zwei-dimensionale Architektur“. Sein lebenslanges Streben nach Vervollkommnung spricht aus dem Satz, den der 95-jährige Hermann Zapf in einem Interview formuliert: „… ich würde auch manches wieder anders machen … man ist ja nie zufrieden mit seiner Arbeit … weil man immer denkt, das kannst du noch besser machen …“. Seit 15 Jahren lebte Zapf zurückgezogen in Darmstadt, wo er am Donnerstag, 4. Juni 2015 mit 96 Jahren gestorben ist. Er hinterlässt seine 97-jährige Ehefrau Gudrun Zapf-von Hesse.

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Dies ist eine fast unveränderte Übernahme nachfolgenden Artikels (18.05.2020 gesichtet):

https://regionalheute.de/typo-magie-ein-nachruf-auf-schriftgestalter-hermann-zapf/

Das Bildmaterial habe ich nachträglich dazu gestellt. Für weitere Informationen empfehle ich die Dauerausstellung mit sehr vielen Schriftbeispielen sowie kalligraphischen Blättern von Hermann Zapf und seiner Frau in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel.


 

 

 

 

Schreibschriften

Lena Zeise  Schreibschriften Bern 2020


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Lena Zeise bezeichnet ihr Buch im Untertitel als illustrierte Kulturgeschichte. Das trifft es ganz gut. Denn es ist kein Buch zum Lernen von Schriften, es ist keine Vorstellung aller möglichen Schreibschriften bis hin zu künstlerischen Ausdrucksformen, es ist kein geschichtlicher Abriss, sondern es ist eine Sammlung von Informationsbröckchen, die mit unterschiedlicher Tiefe aufbereitet wurden. Ein Mischung aus ‚Was ist Was?‘ Kindersachbuch mit wissenschaftlichen Ausflügen und viel unbelegter persönliche Meinung. (Es handelt sich hierbei um eine BA der FH Münster)

Dazu passen leider auch die von der Autorin beigefügten Zeichnungen: übergroß zeigen sie in einfachster Art die mit dem Schreiben verbundenen altbekannten Gegenstände. Wenig erfreulich auch, wenn die im Buch abgebildeten gut lesbaren Originaldokumente im Text nochmals abgeschrieben auftauchen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das Layout ist sehr schön auf 2 Farben reduziert: schwarz und weiss. Meist in rot sind kleine Erläuterungsblöcke in Kursivschrift den Abbildungen zur Seite gestellt. Der zweispaltige Text ist in schwarz gehalten. Häufig sind Zitate eingestreut.

Das reichhaltige Bildmaterial ist spaltenübergreifend und oft seitenfüllend organisiert. Es handelt sich um Abbildungen von Dokumenten. Historischen und persönlichen. Mitunter wechselt die Lesrichtung. Das ist unnötig und unbequem. Die Quellen sind kapitelweise organisiert, dh. die Quellen werde oft mehrfach genannt.

Nichtsdestotrotz gibt es im Bereich der ‚entarteten Schrift‘ interessante Hinweise. Auch die Beschreibung der Entwicklung der Tinten und Schreibfedern ist anschaulich gemacht. Benutzt man das Buch eher zum Stöbern als zum Lesen, wird man zudem wichtige Schriftgestalter wie Tschichold, Sütterlin, Kapr und Koch entdecken. Zapf allerdings fehlt, ihn werde ich nächste Woche vorstellen.

 

 

 

Ich lese gerade … XX

 

Maschinen wie ich – Ian McEwan (Zürich 2019)


Untertitel und Widmungen skizzieren vollumfänglich den Inhalt des Romans von Ian McEwan:

Maschinen wie ich   und Menschen wie Ihr

Für Graeme Mitchison (1944-2018)

„Bitte vergiss nicht das Gesetz, unter dem wir leben: Wir sind nicht geschaffen, eine Lüge zu verstehen … “                       Das Geheimnis der Maschinen  Rudyard Kipling


 

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Ian Mc Ewan spielt in „Maschinen wie ich“ denkbare Verhältnisse zwischen Robotern und Menschen durch: das Verhältnis als ein Austarieren zwischen einer rein dienenden Funktionalität bis zu einer steuernden Fähigkeit von Humanoiden, die bis in moralische Entscheidungen hineinreicht. Der Hauptunterschied zwischen Mensch und Maschine scheint McEwan nicht mehr die An- oder Abwesenheit von Gefühlen (und die damit evtl. zusammenhängende Sensorik und Sexualität) oder gar das individuell unterschiedliche Potenzial an Wissen und Intelligenz zu sein, sondern die Fähigkeit zu lügen. Defensive Lügen, zielgerichtete Lügen, nicht erkennbare Lügen. Das alte Thema von gut und böse und die Freiheit, sich zwischen beiden zu entscheiden, ist damit eröffnet. McEwan zeigt in der Spiegelung zum Roboter die Irrationalität der Menschen auf.

Neben der Lüge ist es das Lernen per kindlichem/ziellosem Spiel, was dem regelhaften Programmieren eines Humanoiden angeblich verwehrt bleibt. So kommt das Kind in dieser Erzählung gedoppelt vor: in der parallelen Entwicklung des noch lernenden, sich selbst passend zu machenden, frisch gekauften Edelroboters Adam und des vierjährigen Mark, einer Zufallsbekanntschaft, derer sich Miranda und Charlie annehmen werden.

Und schließlich läuft das Thema Gewalt (individuelle und staatliche) als weiterer Erzählstrang durch den Roman, den man auf den ersten Blick auch für eine Liebesgeschichte halten könnte.

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Charlie + Adam 2 woodprint 2020 constanze kreiser

 

Aber ganz von vorn. Charlie und Miranda sind Nachbarn, die eine oberflächliche Beziehung eingehen und in den Tag hinein zu leben scheinen. Die verschlossene, deutlich jüngere Miranda studiert noch, während Charlie sich (intelligent, aber beruflich desorientiert) nach halblegalen Geschäftspraktiken nun mit Aktienspekulationen über Wasser hält. Er erbt den Gegenwert eines Hauses, investiert die Summe aber nicht dafür, aus seinem etwas heruntergekommenen Viertel wegzuziehen, sondern in einen von 25 Humanoiden – 12 Adams und 13 Eves, einem angeblich von Turing entwickelten Forschungsprojekt (Turing hätte aber zum Zeitpunkt der Romanhandlung schon längst tot sein müssen).

Adam ist zunächst ganz der höfliche dienstbare Geist, der sich für Haushaltdinge einsetzen lässt. Stück für Stück nimmt er jedoch mehr am Alltag von Charlie teil, fordert mehr Aufmerksamkeit und übernimmt nach und nach das Geldverdienen, Charlies Freundin und auch die Klärung eines alten Rechtsstreits.

Charlie als Besitzer ist anfangs enorm fasziniert von diesem technischen Wunderwerk, von Adams Bewegungen, seiner Haut, seiner Sprache und seiner Fähigkeit, als Mensch durchzugehen, gerät dann aber in die Rolle eines Rivalen und findet den immer autonomeren Adam schließlich enorm anstrengend.  Adam lernt schnell, sich seiner neuen Umgebung anzupassen.

Miranda und Charlie, die sich über dem Beobachten von Adam näherkommen, und jeweils zur Hälfte die Persönlichkeitsstrukturen Adams ausgewählt haben, werden von den durch Adam ausgelösten Ereignissen überrumpelt und verlieren die Kontrolle über ihr Leben.

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Charlie, Miranda + Adam 1 woodprint 2020 constanze kreiser

Nebenbei erzählt McEwan ein Stück Wissenschaftsgeschichte von der Entwicklung von Computern und von einem auf sich selbst blickenden England während der Falklandkrise. Diese Einsprengsel bewirken einen Möglichkeitsraum, eine unklare Zeitebene, die zwischen Zukunft, Vergangenheit und Zeitwenden alles denkbar macht. Dem Leser bleibt es überlassen, ob er die erzählte Geschichte in Zukunft verlegen möchte oder für längst abgeschlossen hält.

Graeme Mitchison war – ähnlich wie Alan Turing – eine dieser überwachen, vielbegabten, privilegierten Persönlichkeiten, die den Mythos der überragenden menschlichen Intelligenz verkörpern und evtl. zugleich mit ihren Erfindungen zerstörten. Erfindungen, die sich als potenzielle Schöpfung verstehen und Adam und Eve hervorbringen?

Dieser Roman ist ein kompliziertes Spiel aus verschiedenen Hypothesen und deren Spiegelungen, die anhand von Adam, Charlie und Miranda vorgeführt werden. Trotz der unterlegten theoretischen Struktur ein sehr lesbares Buch mit drei immer glaubhafter werdenden Figuren, was auch an der Übersetzung von Bernhard Robben liegt: man mag es nicht weglegen.

„Maschinen wie ich, Menschen wie Ihr“  eben.    (März 2020)

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Charlie + Adam +Miranda woodprint 2020 constanze kreiser

 

 

 

Lunchtime Poet Frank O’Hara

 

This is a true New York Story:

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While working at the MOMA (first at the front desk, later as a curator) Frank O’Hara used his lunchbreaks to write down experimental poetry which deals with the city of New York. ‚Lunch Poems‘ was published in 1964.

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As he was also part of a community of contemporary artists, after his sudden death in 1966 many of them reacted to his poetry – some of the results are exposed in the showcase above. ‚In Memory of My Feelings‘ was published as a memorial volume by the museum. To be seen at the MOMA NewYork of today.

 

 

 

30 Jahre Corvinus Presse Berlin

 

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Hendrik Liersch stellte am 16.1.2020 den Pirckheimern einige seiner Bücher aus der Sammmlung der Staatsbibliothek ‚Unter den Linden‘ vor, wo der Abend unter der Leitung von Frau Dr. Trojahn traditionsgemäß zum Jahresbeginn stattfand.

Seit 1990 gestaltet Hendrik Liersch unter dem Namen Corvinus Presse Künstlerbücher. Meist als eine Zusammenarbeit von Künstlern, Schriftstellern, Druckern und Buchbindern, wobei Hendrik Liersch mit seinen beiden Mitstreitern für Bleisatz und Pressendruck zuständig ist.

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Henryk Bereska, Gerd Adloff, Anna Hoffmann sind nur einige der vertretenen Autoren. Originalgrafiken, Zeichnungen, Linolschnitte oder Radierungen steuern Künstler wie Horst Hussel, Schoko Casana Rosso, Frank Wildenhahn, Zoppe Voskuhl, Petrus Akkordeon bei. Vorsatz und Einband jeden Buches sind ebenso künstlerisch bearbeitet wie die Kassetten, die das Buch schützen sollen und so selbst schützenswert werden.

Die Künstlerbücher erscheinen in einer schnell vergriffenen Auflage von 22 (eine Reaktion auf die Pflichtabgabengrenze der Nationalbibliothek Leipzig und des Landes Berlin). ‚Volksausgaben‘ entstehen mit deutlich höheren Auflagen, um einen günstigen Preis von 20-40 € anbieten zu können. Technisch handelt es sich um Klischees von der originalgraphischen Buchausgabe. Hendrik Liersch behauptet von sich, daß er zwar nicht unbedingt vom Büchermachen  leben kann, ,,aber auf jeden Fall kann man damit leben!“

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Jeden Tag sucht jemand etwas / in den verwüsteten Ecken des Lebens, / und jeder findet Nichts.”

Wienke Treblin

Seit 1978 sammelt Hendrik Liersch alles von und über V.O. Stomps, zum 50. Todestag erscheint 2020 ein Band, der die Texte statt der Bilder von V.O. Stomps in den Mittelpunkt rückt. Dazu gehört auch der Gedichtband von Elisabeth Wesuls: ‚Stierstädter Erinnerungen von Hans Goswin Stomps‘

 

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kreiser 16012020

Body and Soul, eine Berliner Künstlerzeitschrift, herausgegeben von Schoko Casana Rosso, Heft 1 – 7, ab 2005 (seit Heft 8 auch Gestaltung und Druck der Umschläg), hat Liersch seit 2014 zweimal jährlich weitergeführt: zu Ehren von Schoko Casana Rossos erscheinen diese Ausgaben (Auflagenhöhe 25 St.) jeweils an dessen Geburtstag und Todestag.

 


CORVINUS PRESSE  Hendrik Liersch

 

Brandenburgische Strasse 122

15566 Schöneiche bei Berlin

Email: corvinus@snafu.de

http://www.corvinus-presse.de/bücher/lieferbare-bücher