Papier prägen

Ein neues Buch aus dem Hauptverlag macht immer Freude beim Entdecken. so auch das von Katja Falkenburger, das mir mit frühlingshaften Margaritenmotiv entgegenleuchtet. Es geht um die Technik des Papierprägens, das insbesondere bei Streiflicht aus einem glatten Blattpapier ein Flachrelief macht, sozusagen eine Art Druckvorgang ohne Farbe. Oder wie hier im Buch vorgeführt Stempeln mit Metallprägestiften. Farbe kann dazukommen, aber meist erst nach dem Prägen.

Doch blättern wir von vorn. Schon das Vorsatzpapier zeigt ein weiteres Blumenmotiv, das aus Einzelmotiven zusammengesetzt ist. Was wir dafür brauchen, wird ab S.14 vorgestellt. Und dann geht es auch schon los: mit Hoch und Tiefprägungen, Papiertreiben, Knick- und Stanzprägungen.

Ganz systematisch werden dann mögliche Ordnungsstrukturen gezeigt. Vom Punkt zur Linie bilden sich Bänder und Muster oder ganze Flächen oder blattfüllende Einzelmotive. So vorbereitet können wir an erste Einsatzmöglichkeiten denken. Dafür gibt es einige Vorschläge wie kleine Verpackungen, Grußkarten, Mobiles und Windlichter. hier ist auch sehr schön der Kontrast zwischen dem einfarbigen geprägten Äußeren und dem Farbakzent innen herausgearbeitet.

Überhaupt haben mich mehr die monochromen Arbeiten von Katja Falkenburger überzeugt, wo das Streiflicht das Prägemotiv zum Leuchten bringt. Es gibt auch Beispiele (Spiegelei, Vogel, Bison) im Buch, wo die Prägung nur eine 3D Verstärkung eines gemalten Motivs ist. Dabei wird die Prägung nur wenig wirksam. Schön ist das Spiel mit flüssiger Farbe und Prägung, wo die Farbpigmente sich selbsttätig in den Vertiefungen sammeln. Insgesamt enthält das Buch vielfältige Anregungen, mit denen sich jede/r seine eigene Formen- und Farbsprache entwickeln kann.

Das Buch ist ein Hardcover mit angenehmem Papier und einem übersichtlichen Layout, das den Reichtum der Prägemöglichkeiten in gelungenen Fotos von Katja Falkenburger deutlich sichtbar macht. Insgesamt merkt man, dass das Buch mit all seinen Bestandteilen aus Texten, Zeichnungen, Gestaltung aus einer Hand stammt. Alle Erläuterungen sind leicht nachvollziehbar und man kommt so sehr schnell zu eigenen überzeugenden Ergebnissen.


Papier ist geduldig – und ein erstaunlich zähes Material. Es lässt sich mit Meißeln schlagen, drücken, quetschen, stanzen oder treiben. Benötigt werden dazu ein Hammer und ein paar Nägel als kleine Meißel. Diese einfachen Arbeitsmittel ermöglichen es, von Hand einzigartige Strukturen und Muster auf ganz unterschiedlichen Papiersorten zu gestalten.
Katja Falkenburger stellt diverse Schlagtechniken zur Umsetzung von Punkten, Linien oder Flächen anhand von Beispielen vor. Neben Arbeiten in edlem Weiß zeigt sie auch, wie Prägungen auf farbigem Papier oder in Verbindung mit Grafik, Farbstift oder Aquarell wirken.
‚ (Klappentext)


Katja Falkenburger

Freie Techniken, Individuelle Muster

(Hauptverlag 2022)


Japanisches Papierhandwerk

Wie in einem workshop stellt Aga Nagaoka Schritt für Schritt ihre Papierprojekte vor, die im weitesten Sinne mit Büro- und Schreibbedarf zu tun haben. Ihr Ziel ist die Anleitung zum eigenständigen Arbeiten, deshalb stellt sie eine ausführliche Material- und Werkzeugeinführung voran. Auch eine Auswahl von Begriffen und buchbinderischer Grundlagentechniken werden auf den ersten zwölf Seiten gelistet.

Dann geht es los mit dem Buchbinden der vorgeschlagenen 30 Prototypen. Es enstehen in dichter Abfolge und zurückhaltender Farbgebung Schuber, Blöcke, Mappen und Boxen. Objekte, die für sich schön anzusehen sind, die aber auch nützlich sind für die Ordnung von Fotos, Klebebändern, Visitenkarten, Reisenotizen uvm. Die Schwierigkeitsgrade reichen von ganz einfach bis zu recht komplizierten Vorhaben, die einges an Materialerfahrung voraussetzen. So ist es durchaus nicht so leicht, wie es im Buch erscheint, Ösen einzusetzen, die zudem noch Gummibänder fixieren sollen oder Lochungen durch größere Papierstapel senkrecht hindurch zuführen.

Bei dem Buch von Aya Nagaoka handelt es sich um eine Lizenzausgabe von 2017, die mit Umweg über eine englische Übersetzung vom Hauptverlag in sein aktuelles Programm aufgenommen wurde. Das Layout von Fumiyo Moriya ist dadurch weniger großzügig als sonst in den Büchern des Schweizer Hauptverlags. Es gibt deshalb – anders als sonst – keine Bezugsquellenangaben, keine Rezepte z.B. für den Reisstärkeleim und auch keine Alternativen für die vorgeschlagenen Werkzeuge (mir fehlen z.B. ein Screwdriver und Leimtopf, beim Nähen der Buchlagen wird Hanfgarn vorgeschlagen, Leinen ist üblicher und gewachst werden muß es auch nicht). Was das typisch Japanische an den Papierarbeiten sein soll, hat sich mir nicht erschlossen, ein entsprechender Kontext wird nicht hergestellt: dass in Japan Papiere in einer ausserordentliche Qualität und Vielfalt hergestellt und bedruckt werden ist allgemein bekannt.


Aga Nagaoka – Japanisches Papierhandwerk (Bern 2022), 26€

Ecoprint

Ecoprint

Bei diesem Verfahren werden Papiere oder Stoffe mit Pflanzen in Kontakt gebracht, wobei die Pflanze/das Blatt mit seinen eigenen Farbstoffen selbst den Abdruck macht. Seinen Ursprung fand der Ecoprint sehr wahrscheinlich 1999 durch die australische Künstlerin India Flint, die die hohe Färbekraft von Eukalyptus-blättern entdeckte und diese als selbstfärbenden Druckstock einsetzte.

Geeignet sind hochvolumige Papiere und helle Naturfaserstoffe wie Wolle und Seide, aber auch die fürs Färben bekannten pfd-Stoffe. Diese Stoffe sollten dicht gewebt sein und eine glatte Oberfläche haben. Mecerisierte Baumwolle gibt wunderschöne Ergebnisse, Popeline und Satin ebenfalls.

Zum Lösen und Fixieren der Blattfarben wird mit Beizen aus Aluminiumsulfat (Alaun), Eisen- und Kupfersulfat gearbeitet. Beizen sind in Wasser gelöste Metallsalze, sie wirken zugleich farbintensivierend und auch farbverändernd.

Als Vorbehandlung wird das Papier/der Stoff leicht angefeuchtet, ausgewrungen oder und gelockert in das Beizbad gelegt. Nach entsprechender Einwirkzeit wird das Material auf Zeitungspapier ausgestrichen und feucht auf eine plastikbezogene Arbeitsfläche gelegt.

Nun die Blätter und Gräser auflegen. Die Ergebnisse sind nicht voraussehbar, daher bleibt das Arbeiten spannend. (Bei sehr dünnen Stoffen wie Batist oder Mull würde die Farbe durch alle gewickelten Lagen des Stoffes hindurchdrücken, daher wird in diesem Fall eine hitzebeständige Folie mitgewickelt.) Der mit Blättern belegte Stapel wird nun sehr straff aufgewickelt und mit festem Baumwollgarn in Form gehalten. Für das Wickeln kann ein Wickelkern helfen, z.B. von Geschenkpapierrollen.

Die verschnürte Rolle dann in einen Topf mit Wasser geben und langsam erwärmen. Ausschalten und über Nach stehen lassen. Da sich rein gar nichts vorab planen lässt, ist es immer wieder aufs Neue überraschend, was nach dem Entfernen der Pflanzenteile sichtbar wird.


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Drucken mit Tetrapaks

Tetrapak- oder Milchtütendruck oder Metallfoliendruck ist eine Drucktechnik zwischen Tiefdruck und Hochdruck, die sich wunderbar zuhause anwenden lässt. Er eignet sich gut für Kinder. Das Schöne ist, dass sich Tetrapaks als Verbundwerkstoff mit Papierkern leicht mit der Schere oder dem Cutter in Form bringen lassen. Man muss also nicht mit rechteckigen Formaten wie beim Linol- oder Holzschnitt arbeiten, sondern kann Figuren ausschneiden und beim Drucken zueinander in Beziehung setzen. So können ganze Geschichten entstehen.

Frau mit Brille 2021 Kreiser

Leere Milchtüten oder Saftpackungen haben eine Metallbeschichtung auf ihrer Innenseite. Diese kann man mit einem Stift prägen und zum Drucken verwenden. Die Motive mit einem Kugelschreiber oder der Rückseite eines Pinselstils oder einem Cutter je nach gewünschter Strichbreite direkt auf die Innenseite des ausgewaschenen und aufgeschnittenen Tetrapaks zeichnen. Dabei gut aufdrücken, damit richtig tiefe Rillen entstehen, in denen sich die Farbe sammeln kann. Buchstaben müssen in Spiegelschrift eingedrückt werden.

Frau mit Mundschutz 2021 Kreiser

Wenn das Motiv fertig ist, pinselt oder rollt man die Vorlage mit Farbe ein. Überschüssige Farbe mit einem Lappen oder Zeitungspapier vorsichtig abwischen, sodass überall Farbe in den Vertiefungen bleibt. Jetzt drückt man die Seite mit der Farbe auf Papier oder vorgefertigte Karten (Material leicht anfeuchten) und geht vorsichtig mit einer Nudelrolle darüber: aber aufpassen, die Motive verrutschen leicht. Antrocknen lassen und zwischen Zeitungspapier mit Büchern beschwert einige Tage lang pressen.


Material

  • leere Milchtüten
  • Schere oder Cutter
  • Bastelfarbe oder Tinten oder Tuschkasten
  • Kugelschreiber, Prägestift, Falzbein o.Ä.
  • Pinsel oder Linoldruckrolle
  • Nudelrolle zum Drucken
  • Papier, Karton oder blanko Karten zum Bedrucken
  • Zeitungspapier für die Arbeitsfläche und zum Pressen der Drucke


weiterführende links:

https://blog.papierdirekt.de/tetrapak-druck-unkomplizierter-tiefdruck-und-kreatives-upcycling/

https://schuki-klick.com/de/basteltipps-anleitungen/milchtuetendruck

https://www.jacksonsart.com/blog/2017/07/07/stephen-fowler-printmaking-with-rubber-stamps/embed/#?secret=VsVbsQmPaA


Papiergarn – Marita Drees

Aus alten Zeitungen oder Büchern Neues herzustellen ist seit einigen Jahren ein Trend. Egal ob Collagen, Papiermaché oder sogar Schmuck – der schweizer Hauptverlag hat mit Titeln wie ‚Papier – Objekte aus alten Büchern‘ oder ‚Paperminis‘ oder ‚Papierblumen‘ jeweils von Anka Brüggemann eine breite Palette zu offerieren. Nun setzt also ‚Papiergarn‘ von Marita Drees auf die gegenwärtige Lust am Upcycling und DIY.

Beginnend von der Spindel zum Drehen des Papiers bis hin zum fertigen Produkt stellt dieses Buch alle erforderlichen Schritte vor, um Papierganr herzustellen. Papiergarn wird schon lange im asiatischen Raum für Geschenkbänder und Kartendekorationen eingesetzt. In bewährt gefälligem Design (allerdings mit sehr kleiner Schrifttype) werden wir mit gut verständlichen Texten anhand von Schritt für Schritt Anleitungen durch den Arbeitsprozeß geführt. Es entstehen unterschiedlich dicke und feste Papiergarnknäue, die sehr schön anzusehen sind und von Fabrizio Zago ansprechend fotografiert wurden.

Dieses selbst hergestellte Material wird anschließend zu verschiedenen Objekten weiterverarbeitet. Verwendet werden dafür klassische Handarbeitstechniken wie Häkeln und Stricken, was man den Arbeiten leider auch ansieht: sie verströmen einen intensiven 70ziger Jahre Charme. Anregender sind die kleinen technischen Einschübe wie z.B. zum Kleben der Zeitungsenden mit Kartoffelstärke oder Versuchen zur Widerstandsfähigkeit der Zeitungsobjekte gegen Witterung. So wird eine Verwendung des Papiergarns für gößere Anordnungen im Aussenraum zumindest denkbar.


Marita Drees wird im August 2022 einen workshop im Papiermuseum Berlin abhalten. https://www.hausdespapiers.com/


Marita Drees – Papiergarn (Bern 2022) 26,-€

https://www.haupt.ch/buecher/gestalten-design/papiergarn-aus-alten-zeitungen.html

Gelliprinting

Gelliprint (Unikate drucken auf Papier, Stoff und Holz)

Sabine Ickler und Katrin Klink, Hauptverlag Bern 2021 (26,-€)


Gelliprint ist eines dieser Bücher vom Schweizer Hauptverlag, das man aufschlägt und sofort Lust bekommt, selbst anzufangen. Auf einfache Art werden die Grundlagen für die für Gelliprint verwendbarem Material und Farben erläutert, schrittweise die unterschiedlichen Drucktechniken vorgestellt und jeweils bebildert. Auf tiefergehende Informationen z.B. zum Farben mischen oder Stempelvarianten wird ebenso verwiesen wie auf Aspekte der Nachhaltigkeit.

Die beiden Autorinnen Sabine Ickler und Katrin Klink haben alles, was sie im Buch vorstellen, selbst ausprobiert, dann fotografiert und mit ihren Arbeiten das Buch layoutet. Es ist in die Abschnitte Material, Farbe & Technik, vom Druck zum Design, und Projekte unterteilt. Ein Anhang mit Vorlagen und weiterführender Literatur komplettiert den Band.

Sabine Ickler und Katrin Klink geben viele Hinweise zum experimentellen Arbeiten, zeigen in ihren angewandten Projekten wie Taschen, Schürzen oder ein Stuhl, auch die Grenzen auf, wo Planung trotzdem erforderlich ist. Sie leiten an, mit Mustertafeln zu eigenen Farbkonzepten zu kommen und zusammenhängende Flächen für den Druck zu entwickeln, die größer sind als die Gelliplatte.

Doch was ist eigentlich ein Gelliprint? Gelliprints gehören drucktechnisch in die Gruppe der Monotypien. Monotypien könnten auch auf Glas- oder Kunststoffplatten erstellt werden. Das Besondere an der Gelliplatte ist ihre glatte Oberfläche und ihre Biegsamkeit: sie eignet sich dadurch für unebene Druckgründe wie Holz oder gewölbte Gegenstände. Gelliplatten gibt es in verschiedenen Formaten zu kaufen, im Buch findet sich erfreulicherweise eine Anleitung zum Selbstgiessen. Sie ist mit Wasser gut zu reinigen und eigentlich unbegrenzt verwendbar.

Normalerweise wird die Gelliplatte mit handelsüblichen Farben (Linol-, Acryl-, Wasserfarben, Filzstiften oder Markern) eingefärbt und dann mithilfe von Schablonen, Walzen, Abklebungen und direkten Zeichnungen auf der Platte bearbeitet. Ist ein Motiv entstanden, lässt sich dieses per Abrieb übertragen, indem man die Platte mit Papier, Holz oder Stoff abdeckt und mit einer Walze oder Hand andrückt und zeitnah von der Platte löst.

Die Gelliplatte kann sowohl als Druckstock und als Stempelkissen eingesetzt werden. Dadurch entstehen interessante Spiele zwischen Negativ- und Positivformen. Auch sind Mischformen mit Kartoffel- oder Pflanzendruck möglich. Auch das Weiterverarbeiten von Farbresten auf der Platte führt zu reizvollen Binnenstrukturen von gedruckten Farbflächen (siehe ghostprint oder Grunge Effekt). Nicht zu vergessen die Reservierungstechniken mit Wachskreide oder der ‚Abdruck von Zeitschriftenbildern. All diese Möglichkeiten lassen sich zudem in einem zum Buch gehörenden onlinekurs nachschauen. Also jede Menge Anregungen.


Buchvorstellung: ‚Bücher binden‘

Bücher binden von Monica Langwe erschien im März diesen Jahr im schweizer Hauptverlag, ist aber eine schwedische Lizenzausgabe von 2016. Optisch anspruchsvoll aufgemacht (mit Fotos von Thomas Harrysson) macht es Monica Langwe einem leicht, sich auf eines der 25 vorgestellten Projekte einzulassen und es direkt nachzuarbeiten.

Die vorgestellten Projekte reichen beim Buchbinden von einfachen Heften über filofaxähnliche Bindungen mit Lederumschlag. Auch kompliziertere Nähvorgänge sind anschaulich dargestellt und beschrieben. Es entstehen feine geometrische Buchrückenmuster, der eigenen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Langwes Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung der Bucheinbände und Aufbewahrschachteln, sie setzt dafür sehr unterschiedliche Materialien wie kaschierte Stoffe, Leder, Knöpfe, Poster und andere Recyclingmaterialien ein. Monica Langwe bietet Hilfe beim Einstieg ins Buchbinden für kreativ Neugierige.

Das Buch besteht aus 2 Teilen. Ziemlich genau in der Mitte wechselt es vom Buchbinden zum Falten. Dort sind Leporellos und Falttechniken (u.a. von Hedi Kyle) vorgeführt, aber auch kleine Faltschachteln asiatischer Herkunft. Wieder sind viele dekorative Vorschläge darunter. Gut funktionieren die vorgeschlagenen Papiere. Auf den ersten 15 Seiten wird knapp aber informativ in die Geschichte des Papiers, Techniken und Werkzeuge eingeführt. Am Buchende findet sich ein recht ausführliches Glossar, tlw. auch mit englischen Begriffen. Wie immer beim Hauptverlag folgen die Bezugsquellen im deutschsprachigen Raum.


Bücher binden: 25 Buchobjekte aus Papier und Faden

Gebundene Ausgabe – Bern 2021

Monica Langwe, Haupt Verlag, 28 €

Linolschnitt – Emily Louise Howard

Emily Louise Howard führt in lockerem Ton in 5 Kapiteln in die Möglichkeiten des Linolschnitts ein. Das Buch ist wunderbar für Anfänger geeignet, da es auf jegliche kostspielige Ausstattung verzichtet und Linolschnitt als eine graphische Technik vorstellt, die sich  – bis auf die Farben – gut mit im Haushalt Vorhandenem ausprobieren lässt. Passend dazu werden 5 Porträts amerikanischer Künstler eingestreut, drei davon sind Autodidakten.

Howards Schwerpunkt liegt auf dem Arbeitsvorgang. Systematisch beginnt sie mit Bildaufbau, der erforderlichen Ausstattung, den Schnitttechniken, um direkt erste Projekte zur Anwendung vorzuschlagen. Diese sind sehr anschaulich bebildert und beschrieben – Fotos, Text und Graphiken stammen von Howard selbst. Die Motive von Howard zeigen eher Linolzeichnungen als Arbeiten in der Fläche. Gegenbeispiele aus dem 20. Jhd. gibt es im Einleitungsteil. Die meisten Linolmotive sind in schwarz gedruckt, was zusammen mit Holz als Fotohintergrund den Gesamteindruck prägt.

Howard bleibt mit ihren kleinformatigen Vorschlägen ganz dicht beim Leser und hilft ihm, Fehler zu erkennen und zu vermeiden, Fehlmaterialien weiter zu nutzen, zu eigenen Experimenten anzuregen. Trotzdem fehlen technische Hinweise auf Farben, Papierqualitäten und Werkzeug nicht. Ebenso ein Ausflug in den Stoff- und Rapportdruck mit Modeln. Auf jeden Fall ein Buch, das einen erstaunlich umfassenden Überblick bietet und Spaß macht. Und das man auch während des Druckens immer wieder in die Hand nimmt.

Der Text beschränkt sich auf ein angenehm zurückhaltend schwarz-weisses Layout. Wichtiges wird weiss in schwarze Blöcke gesetzt, sodass schnellere und langsamere Lesarten der Kapitel möglich werden. Wie immer im Hauptverlag gibt es ein Quellenverzeichnis und hier auch ein Glossar der Fachbegriffe am Ende des Buches.

Das eben aufgelegte Buch des Schweizer Haupt Verlags ist eine 2019 in den USA erschienene Lizenzausgabe.


Linolschnitt – Techniken Projekte

Emily Louise Howard

Bern 2021 (broschiert 25,-€)

Papier marmorieren – Lucy McGrath

Das gerade im Schweizer Hauptverlag erschienene Buch von Lucy McGrath besticht durch seine Vielzahl an Abbildungen: Einband, Vorsatzpapier, Kapiteltrennseiten – alle Doppelseiten sind in verschiedensten marmorierten Mustern ausgeführt. So kommt man ohne Lesen gleich beim ersten Blättern ins Staunen über die Vielfalt der Technik und ins Grübeln über den möglichen Herstellvorgang. Und schwupp, schon findet man sich schon mittendrin im Lesen der knapp und präzise gehalten Anleitungsschritte, die alles ganz einfach erscheinen lassen.

Beim Marmorieren nutzt man den chemischen Abstossungseffekt von Wasser und Öl, um Farbe auf einer beweglichen Oberfläche wie Wasser oder Leim aufzutropfen. Zunächst muss man also ein Trägermedium herstellen. Das kann – wie im Buch beschrieben – aus Algen gemacht werden, aber auch aus Tapetenkleister oder Rasierschaum. Auf jeden Fall mus das Medium eine flache Plastikwanne einige cm tief bedecken. Anschließend kann man Farbflecken mit einer Pipette oder Pinsel auftropfen.

Durch Bewegen des Beckens mitsamt dem Medium oder durch Verziehen der Farbtupfer durch Stäbchen, Kämme und anderes Gerät, aber auch durch Pusten verändern sich die Farbtropfen. So entstehen vielfältige Formen, die mit einem aufgelegten Blatt Papier vom Medium auf das Papier wechseln. Nach jedem Färbevorgang wird die überschüssige Farbe entfernt, bevor das nächste Muster entsteht. Dieser Vorgang des Musterentwickelns ist gleichzeitig meditiv und spannend. Schnell entsteht eine größere Anzahl von marmorierten Bögen, für die man ausreichend Platz zum Trocknen (z.B. eine Wäscheleine o.ä.) braucht.

Das Buch ist besonders geeignet für Anfänger. Es beschränkt sich auf eine Art des Trägermediums und arbeitet mit verschiedenen Farbmedien, die evtl. sogar im Haushalt vorhanden sind. Die Vor-und Nachteile von Acryl-, Öl- oder Aquarellfarben sowie Gouache werden gut beschrieben. Dass es auch etliche Anbieter für Fertigleimbäder und Marmorierfarben (zB. Marabu, Kreul oder auch Schmedt…), teilweise sogar als einsteigerfreundliches Set, gibt, bleibt unerwähnt. Auch ist bei diesen Sets die Vorbereitung der Papierbögen mit Alaun nicht erforderlich.

Über das Marmorieren hinaus zeigt das Buch die Weiterverarbeitung des verwendeten Papiers auf, das nach dem marmorieren durch die Feuchtigkeit seine glatt Form verloren hat. Und auch den Umgang mit anderen Werkstoffen von Stoff bis Porzellan. Interessant sind dabei auch dreidimensionale Körper, die natürlich Farbbäder mit höherer Eindringtief benötigen. Kleine Ausflüge in die Geschichte des Marmorierens und die Farbenlehre runden das Buch ab.

Es handelt sich bei dem Titel um eine Lizenzausgabe der englischen bei Pavilion 2019 erschienenen Originalausgabe. Lucy McGrath ist verantwortlich für Texte und Papiere, was vielleicht auch dazu beiträgt, das der vorliegende Band sehr konzentriert layoutet ist. Die Texte sind kompakt als Blöcke schwarz auf weiß gehalten und heben so die farbigen Marmoriemuster besonders hervor. Wie oft beim Hauptverlag sind die Seiten angenehm übersichtlich gestaltet, die Papierqualität und die Druckqualität sind erwartungsgemäß ebenfalls hoch. Es macht also Spaß, das Buch in die Hand zu nehmen und sich zum immer neuen Musterversuchen anregen zu lassen.


Papier marmorieren von Lucy McGrath (Bern 2021), 29,90€

Das schreibt der Verlag zu seiner Neuerscheinung:

Die Papierkünstlerin Lucy McGrath lebt und arbeitet in London. Mit ihrem neuen Buch frischt sie ein zeitloses Kunsthandwerk auf.

Anhand von bebilderten Anleitungen wird das Marmorieren von Papier gezeigt – von den traditionellen Musterungstechniken bis zu modernen, neuzeitlichen Designs. Marmorieren hängt mit der Malerei, der Druckkunst und der Wissenschaft zusammen. Dafür erklärt die prädestinierte Autorin unterschiedliche Musterungstechniken: beispielsweise mit einem Borstenpinsel, einer Pipette oder auch einem Kamm. Darüber hinaus beschreibt McGrath, wie verschiedene Muster erzeugt und kombiniert werden können und experimentiert dafür auf sehr unterschiedlichem Material. Seien es Federmarmor- oder Zackenmuster: Leser dieses Buchs sollen von ihren Kenntnissen und Erfahrungen im Bereich des Kunsthandwerks profitieren dürfen. Demnach möchte die Autorin sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene zu ganz persönlicher Kreativität im Umfeld der Papierveredelungstechnik anregen. McGrath betreibt ein Ladengeschäft und Kursatelier namens „Marmor Paperie“ in London und gewann im Jahr 2016 den „Arts Society/Cockpits Arts Award“.


weiterführende links:

https://marmorpaperie.co.uk/

https://www.homofaberguide.com/en/discover/artisans-mcgrath-lucy

https://cockpitarts.com/designer-makers/lucy-mcgrath/

Die Künstlerbrille: Teil III

Teil III des schon hier vorgestellten Konzeptes der Übertragbarkeit von künstlerischen Haltungen auf andere Arbeitsbereiche von Dagmar Frick-Islitzer stellt zwölf Künstler aus 4 Ländern vor und bietet konkrete Umsetzungen in Form von Lernstationen an, die für die Erwachsenen-/Breitenbildung geeignet sind.

Die Wanderausstellung sollte – nach der Eröffnung im Engländerbau in Vaduz am 11. August – ab 26. Nov. 2020 in Berlin im Haus am Lützowpark, einem der Projektpartner, Station machen (coronabedingt sind leider Verschiebungen entstanden). Weitere Beteiligte des länderübergreifenden Projektes sind: das Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten, Österreich, und das Südtiroler Landesmuseum in Dorf Tirol, Italien. Folgende Genres sind vertreten: Bildende Kunst, Musik, Film , Tanz, Theater, Sprache.

Das sehr schön aufgemachte Begleitbuch macht Lust aufs Loslegen. Ein knapper Einleitungstext läßt den beteiligten 12 Künstlern viel Luft. Wunderbare Fotos stellen die Künstler in ihren Studios und Ausstellungen vor, lassen sie in Interviews ausführlich zu Wort kommen:


LI: Arno Oehri, Martin Wohlwend und das Künstlertrio Katrin Hilbe, Christiani Wetter und Nicolas Biedermann

DE: Ilona Kálnoky, Marco Schmitt und Nicole Wendel

AT: Sung Min Kim, Clemens Salesny und Maria Seisenbacher

IT: Arnold Mario Dall’O, Cornelia Lochmann und Peter Senoner

Es lohnt sich, sich in das Werk jeden einzelnen Künstlers zu vertiefen. Die Lernstationen können dazu beitragen, es haftet ihnen jedoch eine gewisse Steifheit an: der künstlerische Prozess ist nicht mehr ganz offen, sondern auf Nachvollziehen festgelegt – ein interessanter immanenter Widerspruch des Ansatzes.

Neben den vielfältigen, meist nicht geradlinigen Lebensläufen (die auffällig oft über New York zu führen scheinen ) wird im neuen Buch der Liechtensteinerin Dagmar Frick-Islitzer wieder der Arbeitsprozess in Augenschein genommen: wie gehen Künstler mit Arbeitsblockaden, Ansätzen, die scheitern, und wirtschaftlichen Schwierigkeiten um?

Auffällig die hohe Arbeitsdisziplin, die alle Befragten täglich in ihre Übungsräume treibt. Allerdings ohne den Vorsatz, etwas bestimmtes zu schaffen. Also Betonung des Arbeitens als Findungsprozess, nicht um ein Endergebnis zu erreichen. Schön auch die Gelassenheit, mit denen Projekten eine Auszeit verordnet wird, die sich gerade nicht weiterentwickeln lassen. Und eine Unvoreingenommenheit, sich auf Fremdes/Unvorhergesehenes einzulassen. Fast muss ich an die Haltung landwirtschaftlicher Gesellschaften früherer Jahrhunderte zur Natur denken: ein Standpunkt zwischen Bewusstsein der eigenen Fähigkeiten und Demut?

Entwickelt wird die Plattform von Kubus Kulturvermittlung, Balzers/LI; Haus am Lützowplatz, Berlin/DE; Bildungshaus St. Hippolyt, St. Pölten/AT; Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte Schloss Tirol, Dorf Tirol/IT.


aktueller Nachtrag der Veranstalter:

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Schliessung aller Kultureinrichtungen in Deutschland (voraussichtlich noch bis mindestens 10. Januar 2021) hat der künstlerische Leiter Dr. Marc Wellmann ein neues online-Vermittlungsformat entwickelt: AVATAR-Führungen. Zur dieser Premiere laden wir dich herzlich ein. Anders als bei einem realen Ausstellungsbesuch, gehst du nicht anonym, wenn du gerade Lust dazu hast, durch die Räume, sondern musst dich vorher für einen konkreten Termin entscheiden. Während des ZOOM-Meetings bist du nicht in einer passiv konsumierenden, sondern in einer aktiv interagierenden Rolle. Du kannst den Avatar – das ist eine reale Führungsperson mit einem tragbaren Endgerät in den realen Räumen des HaL in Berlin – zu bestimmten Stationen lotsen und dir dort bestimmte Dinge erklären und ausführen lassen. Du wirst mit der Führungsperson sprechen.

Hier der Link zur Terminplanung:
https://visit-hal.as.me/schedule.php

Praktische Informationen
– Bitte suche dir über obigen Link ein Zeitfenster aus und melde dich an. Das Zeitfenster ist nun exklusiv für dich persönlich reserviert. 
– Du erhältst eine E-Mail zur Bestätigung. 
– Rechtzeitig vor der Führung erhältst du dann per E-Mail den Link für die Zoom-Konferenz (Anmeldung ggf. nötig).
– Diesen Link musst du dann zur vereinbarten Zeit aktivieren, um die persönliche AVATAR-Führung zu unternehmen. (Bitte storniere den Termin rechtzeitig, falls du verhindert sein solltest, um anderen das Erlebnis zu ermöglichen.)


P.S. 1 Über deine Rückmeldung würden wir uns freuen!

P.S. 2 Falls du kein Zeitfenster mehr ergattern solltest, so werden weitere Terminfenster mit AVATAR-Führungen folgen. 

P.S. 3 Die Vermittlungs- und Lernplattform im HaL in Berlin ist noch bis zu 31. Januar 2021 zu erleben.


http://wohin.vol.at/2020/fuehrung-kunst-kann-mit-dagmar-frick-islitzer/vaduz

https://theworldnews.net/li-news/dagmar-frick-islitzer-kunstlerische-haltungen-fur-und-in-die-wirtschaft

https://kuenstlerbrille.files.wordpress.com/2020/03/volksblatt-20200307_kunst-kann..pdf