New Horizons I und II in Potsdam

Hier stelle ich die zweiteilige Ausstellung von Mitgliedern des BVBK im Rahmen des Projektes Werkstatt:

Kunst in Brandenburg vor.

Teil II der Ausstellung ist jetzt vom 29.7. bis zum 11.9.2021 in den schönen innerstädtischen Räumen der Produzentengalerie M, Charlottenstr. 121 in Potsdam zu sehen, gefördert durch das MWFK.

Zu verschiedenen Überthemen wie

Natur und Umwelt,

Partizipation und Gemeinschaft,

Geschichte und Erinnerung sowie

Utopien und Visionen trafen die Kuratorinnen Susanne Prinz und Christine Rahn eine Auswahl unter den Bewerbungen der Künstler des Landes Brandenburg. Nun ist Teil II dieser Auswahl in den Räumen der vom BVBK betriebenen Galerie M Werke ausgestellt, meist zeigt jeder Künstler ein Ausstellungsstück . Alle Genre von Installation bis Graphik und Skulptur sind vertreten, sodass auch ein guter Überblick über die Qualitäten der Künstler des Landes entsteht.

Stellvertretend für viele andere schöne Arbeiten seien hier nur einige Exponate gezeigt:

links Carola Czempik und rechts 2 Arbeiten von Micha Brendel
Gudrun Seiler ABER
Sabine Drasen Auswildern
Ilka Raupach Sydlisco

Im Keller findet sich zudem die Aufzeichnung der 2020/2021 geführten Künstlergespräche. Nach Regionen versammelt hatten Brandenburger Künstler auf etlichen Videokonferenzen Gelegenheit, sich vorzustellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. So ist eine Kartierung der im Land vom BVBK vertretenen Künstler mit unerwarteten Ballungsräumen entstanden. Auch dies ein gelungener Beitrag, um die 16 Monate coronabedingten Ausfall zu überbrücken.

Migrant Journal

Migrant Journal ist eine der liebevoll gemachtesten Veröffentlichungen der letzten Jahre. Inhaltlich sehr pointiert und informativ. Ästhetisch raffiniert und drucktechnisch anspruchvoll. Sein Format liegt gut in der Hand, es liest sich flüssig bis spannend, hat wunderbare Infographiken und guckt von den verschiedensten Seiten auf Migration als typisches Charakteristikum unserer gegenwärtigen Gesellschaften.

Gewollte und unerwünschte Vermischung findet sich in allen Lebensbereichen. Vernetzte Kapitalströme, biologische Lebensräume, politische Hierarchien, öffentliche Räume – alles unterliegt einem Transformationsprozess, der zugleich mehr Teilhabe verspricht, aber auch unhinterfragt neue Grenzen zieht, die jenseits von demokratischen Entscheidungen liegen.

Jeder der von Anfang an auf 6 Bände konzipierten Reihe ist einem Unterthema von Migration gewidmet:

Across Country

Wired Capital

Flowing Grounds

Dark matters

Micro Odysseys

Foreign Agents

Nur noch Band 3 und 6 der vielfach preisgekrönten Reihe sind erhältlich.


So beschreibt sich das Journal selbst:

MIGRANT JOURNAL explores the circulation of people, goods, information, but also fauna and flora, around the world and the transformative impact they have on space. While migration is part of humanity’s genesis, it seems the phenomenon has become ubiquitous, happening faster, with complex ramifications.

MIGRANT aims at exploring the relationship between these elements, events, journeys and spaces bound under the idea of ‘migration’ in all its forms, crucial to understand today’s society.

In order to break from the prejudices and clichés on migrants and migration, MIGRANT asks artists, journalists, academics, designers, architects, philosophers, activists and citizens to rethink our approach to migration and critically explore the new spaces it creates.

A six-issue publication, released between 2016 and 2019, MIGRANT continues as an open platform organising public events.

MIGRANT was co-founded by Justinien Tribillon (issues 1—6), Isabel Seiffert (1—6), Christoph Miler (1—6) and Catarina de Almeida Brito (1—2), later joined by Michaela Büsse (3—6) and Dámaso Randulfe (3—6). Edited collectively, it was co-edited and art directed by Offshore Studio (Isabel Seiffert and Christoph Miler). 


https://migrantjournal.com/


Wildnis I-III: 3 Leporellos

Drei aktuelle Unikate mit Holzschnitten, angeregt von den Gedichten Daniela Danzs mit ihrem 2020 in Göttingen erschienenem Band ‚Wildniß‘.

Wildnis I (ca. 13/23 cm)

stellt Kulturlandschaft und Verkehrsräume gegenüber – beides menschengemacht.

Wildnis II (ca. 13/23 cm)

bezieht sich auf Nacht- und Traumlandschaften: die weichen Konturen eines alten Kirschgarten, der Rest eines Hauses.

Wildnis III (ca. 11/15 cm)

führt Text und Bildteil in eigene, von einander getrennte Räume.


Monstera Monkey Mask: Katrin Magens im Kunsthaus Salzwedel

Vergangenen Sonntag (11.7.2021) ging die Ausstellung Monstera Monkey Mask im Kunsthaus Salzwedel zu Ende, die seit dem 9.10.2020 lief und coronabedingt mehrfach über den 10.1.2021 hinausverlängert wurde. Die Dannenbergerin Katrin Magens zeigte mit Holzschnitten, Zeichnungen, Skulpturen und Skizzenbüchern einen reichhaltigen Überblick ihrer vielfältigen künstlerischen Aktivitäten.

Schon auf den 1. Blick fühlt man sich in die zwei gegenüberliegenden Räume im Obergeschoss des Kunsthauses eingeladen. Die blaue Wand mit den vier großformatigen, in ihren Ocker-Schwarztönen afrikanisch anmutenden Drucken auf Damast leuchtet in den Flur. Im anderen Raum scheint es farblich zurückhaltender zuzugehen: eher blau-pastellfarben und in hellen Holzrahmen gefaßt sind dort Themengruppen arrangiert, eine hinterleuchtete Gruppe kleinerer Skulpturen auf Sockeln zeigt sich erst bei Betreten des Raums.

Katrin Magens mehrschichtige Drucke arbeiten viel mit schwarz. Auf den Blättern mischen sich flächige Formen, die teilweise Durchblicken auf das dahinterbefindliche zulassen, mit Liniengruppen, die ebenfalls eine Verbindung zum Hintergrund herstellen. Alle größeren Flächen sind belebt, zeigen zurückhaltende innere Strukturen, verlocken zu einem immer genaueren Hinsehen. Räumlichkeit entsteht auf Magens Holzschnitten durch Überdruckungen, also einem Davor und Dahinter, denen sich die gewählten Farbhelligkeiten manchmal widersetzen, oder durch ein Zusammenfassen verschiedener Formen mit schwarzen Linien im letzten Druckgang. Alle größeren Flächen sind durch zurückhaltende innere Strukturen belebt, die Drucke verlocken so zu einem immer genaueren Hinsehen.

Die Skulpturen von Katrin Magens benehmen sich ähnlich wie ihre Drucke: sie entstehen aus Gruppen von kompakt-gnubbeligen Körpern und leichten sie umschwirrenden Linien in Form von Drahtgeflechten und Stützmaterialien. Auch hier kippt der Besucherblick zwischen den beiden Angeboten hin und her. Die Plastiken werden durch unterschiedliche Materialien wie Holz, Wachs, Eisen und gefüllte Stoffhüllen mit vielfältigen Motiven aufgeladen, die sich nicht unter einem Thema zusammenfassen lassen und damit viel Platz für Spekulationen anbieten.

Glasvitrine mit Tagebüchern

Als weiterer großen Themenkomplex sind die Katrin Magens Tagebücher ausgestellt. Ich stelle mir vor, dass sie auf den Reisen entstehen, von denen Katrin Magens Bilder erzählen. Beispielhaft ist eine Gruppe von kleinformatigen Zeichnungen zu einem großen Wandbild gefügt, denn die Vitrine mit etwa 20 gleichformatigen Tagebüchern ist verschlossen. Man kann aber Collagen und Zeichnungen erkennen, die sich in einem stringenten Farbraum von schwarz-rot-ocker zu bewegen scheinen. Wer es genauer wissen möchte, dem sei der wunderbare Katalog ebendieser Tagebücher empfohlen, der anläßlich dieser Ausstellung entstand und zur Ansicht und zum Kauf ausliegt.


Weiterführende Informationen:

http://www.hinterhaus.de

http://www.kunsthaus-salzwedel.com

Buchvorstellung: ‚Bücher binden‘

Bücher binden von Monica Langwe erschien im März diesen Jahr im schweizer Hauptverlag, ist aber eine schwedische Lizenzausgabe von 2016. Optisch anspruchsvoll aufgemacht (mit Fotos von Thomas Harrysson) macht es Monica Langwe einem leicht, sich auf eines der 25 vorgestellten Projekte einzulassen und es direkt nachzuarbeiten.

Die vorgestellten Projekte reichen beim Buchbinden von einfachen Heften über filofaxähnliche Bindungen mit Lederumschlag. Auch kompliziertere Nähvorgänge sind anschaulich dargestellt und beschrieben. Es entstehen feine geometrische Buchrückenmuster, der eigenen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Langwes Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung der Bucheinbände und Aufbewahrschachteln, sie setzt dafür sehr unterschiedliche Materialien wie kaschierte Stoffe, Leder, Knöpfe, Poster und andere Recyclingmaterialien ein. Monica Langwe bietet Hilfe beim Einstieg ins Buchbinden für kreativ Neugierige.

Das Buch besteht aus 2 Teilen. Ziemlich genau in der Mitte wechselt es vom Buchbinden zum Falten. Dort sind Leporellos und Falttechniken (u.a. von Hedi Kyle) vorgeführt, aber auch kleine Faltschachteln asiatischer Herkunft. Wieder sind viele dekorative Vorschläge darunter. Gut funktionieren die vorgeschlagenen Papiere. Auf den ersten 15 Seiten wird knapp aber informativ in die Geschichte des Papiers, Techniken und Werkzeuge eingeführt. Am Buchende findet sich ein recht ausführliches Glossar, tlw. auch mit englischen Begriffen. Wie immer beim Hauptverlag folgen die Bezugsquellen im deutschsprachigen Raum.


Bücher binden: 25 Buchobjekte aus Papier und Faden

Gebundene Ausgabe – Bern 2021

Monica Langwe, Haupt Verlag, 28 €

ATMEN. Wortbilder und Künstlerbücher


Noch bis 27.6.2021 ist die Ausstellung zu sehen, aber bereits am 20.6. fand eine festliche Veranstaltung statt, um die am 2.5.2021 eröffnete Ausstellung ‚Atmen‘ der beiden gleichaltrigen brandenburgischen Künstlerinnen Christa Panzner und Christiane Wartenberg ausklingen zu lassen. In den Räumen des Potsdamer Museumshauses ‚Im Güldenen Arm‘, einem wunderbaren barocken Fachwerkbau am Rand der heutigen Innenstadt, fallen als erstes die großformatigen Arbeiten mit ihren kräftigen Rot-Pinktönen Christa Panzners in der Durchfahrt ins Auge.

Im nächsten Raum stellt sich ein großformatiges Gemeinschaftsprojekt der beiden Künstlerinnen aus dem Jahr 2009 in den Weg: es befasst sich mit Genmais, der über den Bildern durchlaufende handgeschriebene Text ist entsprechend in warmem Gelb gehalten.

In den nachfolgenden Räumen herrscht aufgrund der kleineren Arbeiten – die von Christiane Wartenberg sind in schwarz-weiss gehalten – eine entspannte Ruhe vor. Diese wird durch ein gewisses Dämmerlicht unterstützt. Wie aus der Zeit gefallen stehen kleine Lesetischchen vor den kleinen Fenstern und bieten Wartenbergs Künstlerbücher zum Blättern und Lesen an. Die Einheiten aus Stuhl und Tisch beginnen eigene Geschichten zu erzählen, versetzen das Museum zurück in seine Zeit als belebtes Wohnhaus, fast sieht man dort Menschen vergangener Jahrhunderte vertieft lesen. Dazu trägt auch der nachmittägliche Lichteinfall bei, der die Leseorte als eigentliche Raumzentren ausweist. Das Gebäude wird so zum Unterstützer dieser Arbeiten und ihrer nachdenklichen Inhalten.

Womit befassen sich die Malereien, Graphiken und Fotos von Graphiken der beiden Künstlerinnen? Eine Auswahl an Pflanzengedichten von Johannes Bobrowski 1941 aus Russland an seine Frau geschrieben, versammeln sich im zweiten Raum. Chr. Wartenberg hat diese mit der Hand auf Spargelfolie geschrieben, ein schwarzweisses Wechselspiel von Schrift und Untergrund, das sich auf technisch andere Art im folgenden Raum fortsetzt, der Bobrowskis siebenstimmige Erzählung ‚Ich will fortgehen‘ untersucht.

Im letzten Raum wieder gemeinsame Arbeiten. Wir werden auf kleinformatige digitale Arbeiten in schwarzweiss von Christa Panzner zum Thema lockdown hingeführt. Seitlich dazu Wartenbergs ‚Apokalyptische Mits‘. Der Ausstellungstitel ‚Atmen‘ erklärt sich: wir atmen aus.

Blick auf Panzners Arbeiten zum Lockdown

Mit Gitarrenmusik und einer Lesung von Bobrowskis Texten – leider massiv gestört durch Zuspätkommende mithilfe des quietschenden Tores – klingt die feine gemeinsame Ausstellung von Christa Panzner und Christiane Wartenberg an diesem Sonntagnachmittag in Potsdam aus.


Das barocke Typenhaus ist 1737 im Zuge der Errichtung der zweiten Barocken Stadterweiterung unter Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) gebaut worden. In zwei Straßen, in der heutigen Hermann-Elflein-Straße und der heutigen Jägerstraße, bestanden die Häuser komplett aus Fachwerk. Dieses Haus ist das Einzige, das in der Bauart erhalten geblieben ist. Einst lebte und arbeitete hier der Holzbildhauer August Melchior Erhardt, der seine Handwerkskunst und künstlerische Fähigkeit in Form des Portalschmuckes zum Ausdruck brachte.


Codex Polaris

Codex Polaris ist ein Zusammenschluß norwegischer Buchkünstler, der 2013 gegründet wurde, um in Norwegen und den nordischen Ländern eine Plattform für Künstlerbücher zu schaffen. Als Imi Maufe 2009 von England nach Norwegen zog, fehlte ihr alles, was sie von der lebendigen englichen Buchszene gewohnt war: Messen, Gleichgesinnte, Ausstellungen und Sammler. 2011 trafen die Norwegerinnen Rita Marhaug und Randi Annie Strand in Dundee auf Imi Maufe und die Idee zu einer gemeinsamen Plattform für Künstlerbuchprojekte begann zu wachsen.

Ab 2014 fand mit Norsk Boker die erste gemeinsame Ausstellungsbeteiligung in Doverodde/Dänemark statt. Von 2014-2016 entstand auf der Grundlage eines workshops mit Guy Begbie (UK) eine Gruppenarbeit mit 10 weiteren Buchkünstlern: das Projekt Smak av Bok.

Aus der Zusammenarbeit mit Megan Adie und Bent Kvissgard entstand 2018-19 die Bibliothek Nordica. Als tragbare Bücherei sind in einem Holzkasten 90 Künstlerhefte in A6 Grösse versammelt, davon 8 textliche Auseinandersetzungen mit dem Medium Künstlerbuch in den nordischen Ländern (hier der download: https://www.codexpolaris.com/texts.html).

Sigla-Binda heisst die Zusammenarbeit zwischen der Künstlergruppe Arkir aus Island und Codexpolaris. Jeweils 5 Künstler beider Gruppen stellen Künstlerbücher in eine Auseinandersetzung mit alten Manuskripte und Alltagstraditionen. Daraus wird bis 2022 eine Ausstellung entstehen, die ebenfalls so kompakt ist, dass sie reisen kann.

Arbeiten von Imi Maufe

Arbeiten von Randi Annie Strand

Arbeiten von Rita Marhaug

Imi Maufe, Rita Marhaug and Randi Annie Strand nahmen 2021 an der Buchausstellung in der Kunsthalle Kristiansand in Norwegen teil. Diese Ausstellung samt Einzelschwerpunkten zeigen die obigen Bilder. Die Fotos stammen von den Mitgliedern von Codex Polaris und Tor Simen Ulstein – vielen Dank dafür.


here some statements by Codex Polaris:

CODEX POLARIS established in 2013 – is a book artist group based in Bergen, Norway that creates opportunities and exhibiting platforms for artists who work with books in Norway and the Nordic countries. Alongside the exhibition program, Codex Polaris invites guest co-organisers to work on various networking projects, and writers to contribute with text works. Rita Marhaug, Imi Maufe and Randi Annie Strand are the organisers behind Codex Polaris. 

The resulting Codex Polaris project discussed here show what a group of independent artists can achieve over 7 years, engaging with and creating opportunities for artists to work with books, growing alongside an expanding artist’s book and art book publishing community in Norway and the northern countries.

all pictures shown by Codex Polaris


We will next be showing work at CHART Art FAIR in Køpenhavn in August (all going to plan) https://chartartfair.com alongside 30 other stands of Nordic Books. 

www.codexpolaris.com

https://www.imimaufe.com/

Washi – was ist das eigentlich?

Die Technik, aus beliebigen Pflanzenfasern und Neri Papier zu erzeugen, gibt es seit mehr als 1300 Jahren. Mit dem Aufkommen von Papier aus Holzschliff in Japan, in der Meiji-Restauration (ab 1868), verlor das traditionell erzeugte Japanpapier seine Rolle als Massengut, und so wird es heute dem Kunsthandwerk zugeordnet.

Washi Papier ist handgeschöpftes, durchscheinendes Papier aus Japan. Es wird auch als Reispapier bezeichnet, obwohl es nicht aus Bestandteilen von Reispflanzen besteht. Man unterscheidet folgende Arten:

  • Tesuki Washi: handgemachtes Papier (Washi)
  • Kikaizuki Washi: maschinell hergestelltes Papier
  • Yoshi: maschinell hergestelltes Papier westlicher Art

Japanpapier wird aus Bastfasern von Gehölzen niedriger Wuchshöhe gewonnen. Die bekanntesten darunter sind:

Weiter werden Kurara Sophora flavescens (Syn.:Sophora angustifolia) Fasern aus Rinde und Stielen und Asa Hanf Cannabis sativa verwendet. Auch Abacá (Manilahanf), Baumwolle, Pferdehaare, Rayon, Silber- und Goldfolien werden verwendet.[3] Weitere sind der Muku-Baum Aphananthe aspera, Boehmeria platanifolia, die chinesische Wisteria Wisteria sinensis, die weiße Maulbeere Morus alba.[4]

Gampi wächst nur in mildem Klima. Ihre Fasern ergeben ein beständiges Papier. Es wird immer seltener angebaut und ist dadurch auch teurer. Kozo wird häufiger angebaut. Die Papiere aus dieser Pflanze sind sehr zäh. Aus Mitsumata werden Papiere mit feiner Faserung und besonderer Weichheit hergestellt.[5]

Kozu und Mitsumata werden im Winter geschnitten, die Stämme auf halbe Länge gebunden und die Rinde über heißem Dampf ausgelöst. Diese werden dann gewaschen und mit Alkalien (Ätznatron, Natriumcarbonat, Linden- und Holzasche) gekocht, um das Auflösen der nicht-cellulosen Materialien in den Bastfasern zu erleichtern, dann nochmals gewaschen und dann durch Schlagen oder Klopfen zerkleinert (Kokai), dann nochmals gewaschen (Kamidashi). Darum sind manche Papiersorten auch besonders widerstandsfähig. Oft werden die Fasern der genannten Sorten in verschiedenen Mischungsverhältnissen verwendet.

Zur Fasermischung können Pflanzenschleime zugegeben werden. Diese werden als Neri bezeichnet, sie werden aus verschiedenen Pflanzen gewonnen und können auch untereinander gemischt werden:

Neri hat als Zusatz zur Papierpulpe die Aufgabe, die Fasern in der Schwebe zu halten. Neri ist wirkungsvoll, wenn es mit weichem Wasser wie in Japan verwendet wird, aber ist nutzlos, wenn es mit hartem Wasser benutzt wird. Ursprünglich wurde die Papierherstellung von China an Japan weitergegeben. Nur mit Neri kann ein so dünnes Papier hergestellt werden.

Man unterscheidet also zwei Arten: Nagashi-zuki (mit Neri), produziert ein dünneres Papier, während Tame-zuki (ohne Neri), ein dickeres Papier erzeugt. Japanpapier hat eine Länge von 120 bis 150 cm.

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Nachdem viel Wasser zugegeben wurde, wird der Rohstoff mit einem Bambussieb (Suketa) geschöpft. Nach ein bis zwei Minuten, und nachdem Verunreinigungen entfernt wurden, wird der nasse Bogen in Stapeln übereinander gelegt (Shito). Es erfolgt der Vorgang des Pressens, bei dem das Wasser fast komplett herausgedrückt wird, dies geschieht in der Regel über Nacht. Am nächsten Tag werden die feuchten Papiere zwischen zwei größere Bretter gelegt und mit einem Kompressor gepresst, um die Feuchtigkeit zu entfernen, dann werden sie zum Trocknen gebracht.

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Die gepressten Papiere werden sorgfältig aus dem Stapel entfernt und auf Holzplatten gebürstet, um auf natürliche Weise oder auf mechanischen Trocknern (dampfbeheizten Metalloberflächen) zu trocknen. Die Holzbretter der Kiefer, Rosskastanie und japanischen Zypresse werden als Trockenbretter verwendet. Das beste Holz für die Trocknung ist aus Ginkgo-Baum, da es eine glatte, ebene Oberfläche hat. Der oberste Bogen wird dann jeweils wie eine Fahne auf ein Brett gelegt und mit einer Bürste gebürstet (siehe Bilder). Deshalb ist eine Seite des Bogens glatt, die andere etwas rauer. Das Trocknungsverfahren, natürlich (Itaboshi) oder mechanisch (Joki Kansoki), beeinflusst das fertige Papier. Insbesondere wenn dickes Papier durch einen mechanischen Trockner getrocknet wird, neigt die Oberfläche des Papiers dazu, flockig und übertrocknet zu werden.

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Die fertigen Papiere können mit Dosa (aus tierischem Leim und Alaun) (um die Tintenausblutung zu verhindern), Konnyaku-Pulver (Teufelszunge Amorphophallus konjac) (eine Stärke, erhöht die Nassfestigkeit) oder Kakishibu (Persimmon-Tannin, die unreifen Früchte von Kaki werden zerkleinert, entsaftet und fermentiert), behandelt werden.

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Es gibt je nach Region, Herstellungsperiode und Verwendung eine spezielle Bezeichnung für das Papier. Jedes Papier hat seine speziellen Eigenheiten und Merkmale. Obwohl technischer Fortschritt und sich ändernde Moden zu einem rapiden Niedergang der traditionellen Washi-Herstellung in Japan führte, gelten heute noch die drei Regionen Mino in der Präfektur Gifu, Ogawa in Saitama und Misumi in Shimane als Zentren der traditionellen Papierherstellung. Das dortige Handwerk wurde im Jahr 2014 sogar in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Japanpapier findet vor allem in der traditionellen Tuschmalerei Verwendung. Es wird aber auch in vielen anderen künstlerischen Bereichen benutzt. Ebenso bei der Restaurierung alter Bücher, um Lücken im Papier und Fehlstellen zu beheben bzw. auszugleichen, bei der Herstellung von japanischen Shōji-Schiebewänden sowie der Erstellung von Oshigata.


großteils übernommen von https://de.wikipedia.org/wiki/Japanpapier vom 03.6.2021

weiterführende Quellen:

https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/kunsthandwerk/washi/

https://wanamour.de/blog/handcrafts/washi

https://isewashi.co.jp/sub1.html

https://hidanotaka.com/tag/tosa-washi/

https://ito-yarn.com/de/yarn/ito-washi

https://www.ozuwashi.net/en/

http://www.windmusik.com/html/papier.html

https://awagami.com/


  • Therese Weber: Die Sprache des Papiers. Eine 2000-jährige Geschichte. Haupt, Bern 2004, ISBN 3-258-06793-7, Kultur- und kunsthistorische Aspekte zu Papier in Asien und Europa sowie PaperArt.
  • Therese Weber: Washi. Vergangenheit und Gegenwart der japanischen Papiermacherkunst. Verband Schweizer Papier-Historiker, Basel 1988 ISBN 3-909051-01-4 limitierte Aufl., eine technische und historische Erläuterung.
  • Peter F. Dunkel (Hrsg.), Irmtraud Schaarschmidt-Richter (Text): Japanisches Papier. Handwerk und Kunst. Referat Kultur der Stadt Kaiserslautern 2003.
  • Irmtraud Schaarschmidt-Richter: Washi. Handwerk, Kunst und Gebrauch des japanischen Papiers. Thunum: Ed. Peperkorn 2006, ISBN 978-3-929181-71-5.
  • Dominique Buisson: Japanische Papierkunst. Masken, Laternen, Drachen, Puppen, Origami. Terrail, Paris 1992, ISBN 2-87939-010-9.
  • Mariko Takagi: Washi. Eigenverlag Mariko Tagaki, Meerbusch 2001.
  • Françoise Paireau: Papiers japonais. Biro, Paris 1991. ISBN 2-87660-110-9.
  • Sukei Hughes: Washi. The world of Japanese paper. Kodansha International, Tokyo 1978.
  • Bunshō Jugaku: Paper-making by hand in Japan. Tokyo 1959.
  • Dard Hunter: A Papermaking pilgrimage to Japan, Korea and China. Pynson Printers, New York 1936.
  • Doris Prabhu: Washi. Eine Reise ins Japanpapier. Frieling, Berlin 1988 ISBN 3-89009-048-6 einmalige limitierte Auflage auf Washi (Washi-Herstellung durch die Autorin), philosophischer Abriss zum Thema Papier, Kunstbuch.
  • Robertta A. Uhl: Japanese Washi Paper Crafts. Tuttle Publishing, 2007, ISBN 978-0-8048-3813-9, S. 5.


Linolschnitt – Emily Louise Howard

Emily Louise Howard führt in lockerem Ton in 5 Kapiteln in die Möglichkeiten des Linolschnitts ein. Das Buch ist wunderbar für Anfänger geeignet, da es auf jegliche kostspielige Ausstattung verzichtet und Linolschnitt als eine graphische Technik vorstellt, die sich  – bis auf die Farben – gut mit im Haushalt Vorhandenem ausprobieren lässt. Passend dazu werden 5 Porträts amerikanischer Künstler eingestreut, drei davon sind Autodidakten.

Howards Schwerpunkt liegt auf dem Arbeitsvorgang. Systematisch beginnt sie mit Bildaufbau, der erforderlichen Ausstattung, den Schnitttechniken, um direkt erste Projekte zur Anwendung vorzuschlagen. Diese sind sehr anschaulich bebildert und beschrieben – Fotos, Text und Graphiken stammen von Howard selbst. Die Motive von Howard zeigen eher Linolzeichnungen als Arbeiten in der Fläche. Gegenbeispiele aus dem 20. Jhd. gibt es im Einleitungsteil. Die meisten Linolmotive sind in schwarz gedruckt, was zusammen mit Holz als Fotohintergrund den Gesamteindruck prägt.

Howard bleibt mit ihren kleinformatigen Vorschlägen ganz dicht beim Leser und hilft ihm, Fehler zu erkennen und zu vermeiden, Fehlmaterialien weiter zu nutzen, zu eigenen Experimenten anzuregen. Trotzdem fehlen technische Hinweise auf Farben, Papierqualitäten und Werkzeug nicht. Ebenso ein Ausflug in den Stoff- und Rapportdruck mit Modeln. Auf jeden Fall ein Buch, das einen erstaunlich umfassenden Überblick bietet und Spaß macht. Und das man auch während des Druckens immer wieder in die Hand nimmt.

Der Text beschränkt sich auf ein angenehm zurückhaltend schwarz-weisses Layout. Wichtiges wird weiss in schwarze Blöcke gesetzt, sodass schnellere und langsamere Lesarten der Kapitel möglich werden. Wie immer im Hauptverlag gibt es ein Quellenverzeichnis und hier auch ein Glossar der Fachbegriffe am Ende des Buches.

Das eben aufgelegte Buch des Schweizer Haupt Verlags ist eine 2019 in den USA erschienene Lizenzausgabe.


Linolschnitt – Techniken Projekte

Emily Louise Howard

Bern 2021 (broschiert 25,-€)

Am Wasser (28.4.-30.5.2021)

‚Am Wasser‘ im doppelten Sinne befindet sich meine neue Ausstellung am Scharmützelsee östlich von Berlin.

In der alten Schulscheune in Radlow-Diensdorf bei Bad Saarow, zwischen Waldrand und direktem Blick aufs Wasser, werden seit dem 28.4.2021 vierundzwanzig meiner aktuellen Drucke zum Thema Wasser gezeigt. Vorwiegend Holzschnitte, aber auch Linolschnitte, Monotypien und Mixtechniken sind zu sehen.

Im Moment kann man nur einen Blick durch die Fenster des gepflegten kleinen Innenhofs erhaschen, leicht verschwommen, wie unter Wasser, blickt man auf die ruhige Stimmung einer dahin fliessenden Oder, Havel und der für die Gegend typischen Entwässerungsgräben. Gegenüber finden sich Bilder eines aufgeregten Meeres, vielgestaltiger Strandstrukturen, drohender Gewitterwolken.

Es geht um die Lebendigkeit weiter Landschaftsräume durch Schatten, Wind oder Pflanzen. Statt eines schnellen Blickes kann man sich in die Tiefe der Bilder hineinziehen lassen und stets neue Andeutungen entdecken. Diese spezielle Wirkung entsteht durch den Handabrieb, der viele Einzelbetonungen innerhalb der zu druckenden Flächen zuläßt und aus jedem Druck ein Unikat macht.


Die Ausstellung wird von einem Katalog für 4,- € begleitet. Alle Arbeiten sind verkäuflich. Ausserhalb des Lockdowns wäre die Alte Schulscheune täglich (ausser mittwochs) von 11-16.00 Uhr geöffnet: Schulstr. 1 in Radlow-Diensdorf.

Möglicherweise kann am 30.5.2021 eine Finissage mit Texten von Olga Tokarzcuk zu den Bildern stattfinden. Bitte informieren Sie sich über die website der Alten Schulscheune: https://www.alte-schulscheune.de/events/1474

Ein wunderbares Ausflugsziel mit kleinem Cafe und Aussensitzbereich, eingebunden in ein Netz von Wander- und Radwegen, selbst zu Fuß ist die Alte Schulscheune von Bad Saarow aus in unter einer Stunde erreichbar.


Diese Ausstellung gehört in zu den 2. Offenen Tagen des brandenburgischen Buches, deren reichhaltiges Programm am 30.4. beginnt und bis in den Juni hineinreicht. Mögen möglichst viele der wunderbaren Lesungen, Aufführungen und workshops, die schwerpunktmäßig im Oderbruch zu finden sind, und das ganze Land Brandenburg bespielen, stattfinden können!