ATMEN. Wortbilder und Künstlerbücher


Noch bis 27.6.2021 ist die Ausstellung zu sehen, aber bereits am 20.6. fand eine festliche Veranstaltung statt, um die am 2.5.2021 eröffnete Ausstellung ‚Atmen‘ der beiden gleichaltrigen brandenburgischen Künstlerinnen Christa Panzner und Christiane Wartenberg ausklingen zu lassen. In den Räumen des Potsdamer Museumshauses ‚Im Güldenen Arm‘, einem wunderbaren barocken Fachwerkbau am Rand der heutigen Innenstadt, fallen als erstes die großformatigen Arbeiten mit ihren kräftigen Rot-Pinktönen Christa Panzners in der Durchfahrt ins Auge.

Im nächsten Raum stellt sich ein großformatiges Gemeinschaftsprojekt der beiden Künstlerinnen aus dem Jahr 2009 in den Weg: es befasst sich mit Genmais, der über den Bildern durchlaufende handgeschriebene Text ist entsprechend in warmem Gelb gehalten.

In den nachfolgenden Räumen herrscht aufgrund der kleineren Arbeiten – die von Christiane Wartenberg sind in schwarz-weiss gehalten – eine entspannte Ruhe vor. Diese wird durch ein gewisses Dämmerlicht unterstützt. Wie aus der Zeit gefallen stehen kleine Lesetischchen vor den kleinen Fenstern und bieten Wartenbergs Künstlerbücher zum Blättern und Lesen an. Die Einheiten aus Stuhl und Tisch beginnen eigene Geschichten zu erzählen, versetzen das Museum zurück in seine Zeit als belebtes Wohnhaus, fast sieht man dort Menschen vergangener Jahrhunderte vertieft lesen. Dazu trägt auch der nachmittägliche Lichteinfall bei, der die Leseorte als eigentliche Raumzentren ausweist. Das Gebäude wird so zum Unterstützer dieser Arbeiten und ihrer nachdenklichen Inhalten.

Womit befassen sich die Malereien, Graphiken und Fotos von Graphiken der beiden Künstlerinnen? Eine Auswahl an Pflanzengedichten von Johannes Bobrowski 1941 aus Russland an seine Frau geschrieben, versammeln sich im zweiten Raum. Chr. Wartenberg hat diese mit der Hand auf Spargelfolie geschrieben, ein schwarzweisses Wechselspiel von Schrift und Untergrund, das sich auf technisch andere Art im folgenden Raum fortsetzt, der Bobrowskis siebenstimmige Erzählung ‚Ich will fortgehen‘ untersucht.

Im letzten Raum wieder gemeinsame Arbeiten. Wir werden auf kleinformatige digitale Arbeiten in schwarzweiss von Christa Panzner zum Thema lockdown hingeführt. Seitlich dazu Wartenbergs ‚Apokalyptische Mits‘. Der Ausstellungstitel ‚Atmen‘ erklärt sich: wir atmen aus.

Blick auf Panzners Arbeiten zum Lockdown

Mit Gitarrenmusik und einer Lesung von Bobrowskis Texten – leider massiv gestört durch Zuspätkommende mithilfe des quietschenden Tores – klingt die feine gemeinsame Ausstellung von Christa Panzner und Christiane Wartenberg an diesem Sonntagnachmittag in Potsdam aus.


Das barocke Typenhaus ist 1737 im Zuge der Errichtung der zweiten Barocken Stadterweiterung unter Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) gebaut worden. In zwei Straßen, in der heutigen Hermann-Elflein-Straße und der heutigen Jägerstraße, bestanden die Häuser komplett aus Fachwerk. Dieses Haus ist das Einzige, das in der Bauart erhalten geblieben ist. Einst lebte und arbeitete hier der Holzbildhauer August Melchior Erhardt, der seine Handwerkskunst und künstlerische Fähigkeit in Form des Portalschmuckes zum Ausdruck brachte.


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