Linolschnitt – Emily Louise Howard

Emily Louise Howard führt in lockerem Ton in 5 Kapiteln in die Möglichkeiten des Linolschnitts ein. Das Buch ist wunderbar für Anfänger geeignet, da es auf jegliche kostspielige Ausstattung verzichtet und Linolschnitt als eine graphische Technik vorstellt, die sich  – bis auf die Farben – gut mit im Haushalt Vorhandenem ausprobieren lässt. Passend dazu werden 5 Porträts amerikanischer Künstler eingestreut, drei davon sind Autodidakten.

Howards Schwerpunkt liegt auf dem Arbeitsvorgang. Systematisch beginnt sie mit Bildaufbau, der erforderlichen Ausstattung, den Schnitttechniken, um direkt erste Projekte zur Anwendung vorzuschlagen. Diese sind sehr anschaulich bebildert und beschrieben – Fotos, Text und Graphiken stammen von Howard selbst. Die Motive von Howard zeigen eher Linolzeichnungen als Arbeiten in der Fläche. Gegenbeispiele aus dem 20. Jhd. gibt es im Einleitungsteil. Die meisten Linolmotive sind in schwarz gedruckt, was zusammen mit Holz als Fotohintergrund den Gesamteindruck prägt.

Howard bleibt mit ihren kleinformatigen Vorschlägen ganz dicht beim Leser und hilft ihm, Fehler zu erkennen und zu vermeiden, Fehlmaterialien weiter zu nutzen, zu eigenen Experimenten anzuregen. Trotzdem fehlen technische Hinweise auf Farben, Papierqualitäten und Werkzeug nicht. Ebenso ein Ausflug in den Stoff- und Rapportdruck mit Modeln. Auf jeden Fall ein Buch, das einen erstaunlich umfassenden Überblick bietet und Spaß macht. Und das man auch während des Druckens immer wieder in die Hand nimmt.

Der Text beschränkt sich auf ein angenehm zurückhaltend schwarz-weisses Layout. Wichtiges wird weiss in schwarze Blöcke gesetzt, sodass schnellere und langsamere Lesarten der Kapitel möglich werden. Wie immer im Hauptverlag gibt es ein Quellenverzeichnis und hier auch ein Glossar der Fachbegriffe am Ende des Buches.

Das eben aufgelegte Buch des Schweizer Haupt Verlags ist eine 2019 in den USA erschienene Lizenzausgabe.


Linolschnitt – Techniken Projekte

Emily Louise Howard

Bern 2021 (broschiert 25,-€)

The Library of Ice

Nancy Campbell untersucht Eis als Sprachgenerator, als Lebens- und Erwerbsumfeld, als Sportuntergrund, als Sehnsuchtsort von Abenteurern, als archäologischen Forschungsgegenstand, als Lagerort von Rohstoffvorkommen, als kulturellen Bezug für Kunst und Literatur. Nancy Campbells ‘The Library of Ice‘ ist auch ein Buch für Liebhaber von Büchereien. Selten habe ich so viele verschiedenartige beschrieben bekommen, denn der Leser begleitet sie in ihre jeweiligen Forschungsstätten.

Der Reiz dieses roadmovieartigen Buches, was uns auf eine weltweite Forschungsreise mitnimmt, die mythische 7 Jahre dauerte, besteht in den vielen Begegnungen, die persönlich und distanziert zugleich bleiben, egal ob mit dem Team des schottischen Kinross Curling Clubs und – noch wichtiger – mit seinem Eisbahnwart, ob mit Jägern in Grönland oder Künstlern in der Serpentine Gallery in London oder mit Menschen aus Dokumenten vergangener Jahrhunderte, die mit gleicher Faszination der Antarktis verfallen waren.

So springen die Erzählräume zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her: die für uns weit entfernt scheinende Vergangenheit mit einem Leben voller Abhängigkeiten von Naturgewalten und Tieren in arktischen Gegenden ist bei Scott, Amundsen und Franklins Expeditionen genauso beeindruckend geschildert wie die jetzigen Lebensumstände der Bewohner Grönlands.Unaufgeregt erzählt Campbell von eigenen und einheimischen alltäglichen Anpassungsleistungen an Wetter, Schnee, Eis und Klimaveränderungen. Obwohl die Erreichbarkeit zwischen den Orten ohne feste Verbindungsstrassen eher vom Wasser aus erfolgt, findet sich auf Grönland jede Form der globale Konsum- und Dienstleistungswelt.

Es geht in diesem Buch deshalb auch um Seßhaftigkeit und Sprache bzw. Schrift als Mittel von Eroberungen, um Verdrängungen durch Klimawandel, Migration, um dauernde Anpassungsleistungen des Menschen an seine Umgebung – oder andersherum? Campbell jedenfalls beschreibt das Jagen mit Schlittenhunden als gleichberechtigte, wenn auch verschwindende arktische autarke Lebensform.

c.kreiser ca. 2015

Was ich mag an Campbells Erzählen, ist die fein verwobene Art, Fundstücke aus persönlich rlebtem Gegenwart und recherchierter Vergangenheit zusammenzubinden. Mit viel Achtung begegnet sie Menschen und deren Lebensumständen, aus wenigen Sätzen entstehen kristallklare Porträts. Wird sie auf einer abgelegenen Farm abgesetzt, die nur wenig Forschungsmaterial zum grönländischen Schriftsteller Porbergur aufzuweisen hat, bietet auch dieser Mangel genug Stoff zu kulturhistorischen Überlegungen über Teilhabe, weil die Texte nicht ins Englische übersetzt wurden.

Spürbar ist Nancy Campbells Liebe zu Museen und Büchereien, dem Forschen überhaupt. Egal ob Britisches Museum oder Halley VI Researchstation in der Antarktis, stets findet der Raum samt Mitforschenden Erwähnung. Wir können uns gut vorstellen, unter welchen Umständen ihre Recherchearbeit gerade stattfindet. Sie beschreibt Rückräume und Abkürzungen durch öffentliche Sammlungen, läßt sich auf Zufälle am Wegrand ein, geht verloren im verschneiten schweizerischen Bergwald. Lauter Bilder, die auch das mäandernde Fortschreiten von Wissensaneignung sein könnten.

‘The Library of Ice‘ ist ein dichtgepacktes Buch, das seine Sogwirkung erst nach und nach entfaltet – dann allerdings möchte man immer mehr von dieser unaufgeregten Zusammenschau seltsamster Fakten, die dennoch alle miteinander verbunden sind, lesen. Man beginnt zu glauben, an einem langen, dunklen Tag dazusitzen und Nancy Campbell beim Erzählen zuhören zu können, während Schnee und Eis die Außenwelt langsam in Bedeutungslosigkeit versinken lassen.


The Library of Ice

‘The Library of Ice‘ by Nancy Campbell actually does what the title announces: to talk about the manifold aspects of ice and about libraries, the places she visited to find deeper knowledge on her chosen topic.

Nancy Campbell

The Library of Ice  

(London 2018)

I featured this book because I have long appreciated Nancy Campbell’s wonderful artist’s books. I am also happy to own recent poems on flowers by her (commissioned by Bristol University). And I’m still annoyed of having missed her at a joint event in Berlin in 2019.

Robert Longos Zeichnungen

Robert Longos meist großformatige Zeichnungen sind erstaunlich. Auf den ersten Blick erscheinen sie wie Fotos. Schwarzweissfotos mit starken Hell und Dunkelzonen, aber auch vielen weich fließenden Nebelbereichen, wo sich das scheinbar Abgebildete in die Fläche verliert. Dazu trägt das verwendete Gegenlicht bei. Titel und Bildästhetik fallen auseinander: was hat der arabische Dichter Rumi mit der untengezeigten Qualle zu tun?

Der Bildfindungsprozess läuft nicht über das Abzeichnen, sondern vermittelt über das Komponieren verschiedener Fotos, tlw. auch Fremdaufnahmen. Und schließlich die Technik: es sind Kohlezeichnungen mit allen Implikationen der Flüchtigkeit dieser Pigmentaufbringung.

In einem aktuellen Interview sagt Longo dazu Folgendes:

‚Was ich beim Zeichnen empfinde, kann ich nicht sagen, weil sich das auf vielen verschiedenen Ebenen abspielt und mir viele Dinge gleichzeitig durch den Kopf gehen. Kunst entsteht, wenn Wörter einem nicht genügen. Und ein Werk erreicht genau dann den Gipfel seiner Bedeutung, wenn die Ideen still geworden sind und ihr Zuhause gefunden haben. …

Was ich zeichne, ist eng mit meiner Existenz verwoben. Es repräsentiert mein Ich in der Welt. Als Ganzes betrachtet sind fast alle Werke Selbstporträts. Es besteht folglich kein Unterschied zwischen der Existenz und der Kunst. Ich bin sie und sie ist Expression meines Ichs. …

Nie zufrieden damit, was ich mache, und voller Selbstzweifel, bin ich rastlos. Für eine kurze Weile genieße ich den Zustand nach Beendigung eines Werks. Doch wenig später frage ich mich, wie ich es hätte besser machen können, ob ich es zu einem Punkt getrieben habe, wo es nicht weitergeht, ob ich etwas Anderes versuchen oder mit dem Zeichnen nicht besser aufhören sollte. …

Ferguson Police 13.8.2014 – Fotorechte wie im Kunstforum vermerkt

Am Anfang steht die Bildidee. Einmal geboren, muss sie im Kopf reifen. Vor ihrer Umsetzung muss sie kritisch in Augenschein genommen werden. Danach wird ihr Leben eingehaucht. Die Ironie dabei ist, dass das Bild nach seiner Fertigstellung der Leichnam der Idee ist. Im Grunde ist der Künstler ein Bestatter, der das Werk auf sein Begräbnis vorbereitet, damit es andere aufgebahrt sehen können.‘

Robert Longo im Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks in: Kunstforum International 276 (März/April 2021) S. 210


Robert Longo ist bekannt für seine fotorealistischen Kohlezeichnungen. Seine Motive zeigen neben der Schönheit natürlicher Objekte wie Quallen und Bäumen auf gleiche Art die Schrecken der Welt, brechende Wellen, Explosionen, aufgerissene Haifischrachen. Zunehmend sind politische Ereignisse wie Demonstrationen und Gewaltthemen verarbeitet.

Longo (geboren 1953) studierte am Buffalo State College, New York, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Mit Zeichnung, Malerei, Installationen, Performances, Videokunst und Fotografie ist seine künstlerische Bandbreite jedoch noch längst nicht ausgeschöpft. Er arbeitete mit Größen wie Keanu Reeves, Dolph Lundgren und Takeshi Kitano zusammen, produzierte auch Musikvideos für die Bands New Order oder R.E.M.

Im Jahr 2005 erhielt Robert Longo den Goslarer Kaiserring, einen der weltweit bedeutendsten Preise für moderne Kunst. Er wird weltweit ausgestellt und beteiligte sich ebenso an der documenta wie auch der Biennale von Venedig. Seine Arbeiten sind u.a. vertreten in der Sammlung vom Guggenheim Museum und dem MOMA, New York, im Stedelijk Museum, Amsterdam, im Centre Pompidou, Paris, in der Albertina, Wien und in der Tate Gallery, London.


https://www.robertlongo.com/

Between the Sheets 2021: Artists‘ Books at the Gallery East in Perth/Australia

The exhibition is now open but the official launch is re- set for Thursday 6th May.

In the meanwhile, the Floor Talk last Saturday attracted 40 people who were enthralled  by Christopher Crouch’s analysis of the nature of artists’ books, their place in art practice  and their connection to the viewing audience. For reading the complete Floor Talk please look here: https://www.galleryeast.com.au/general/books%202021/main4.htm

view of the exhibition by David

‚Between the Sheets‘ 2021 is the fifth biennial exhibition organised by Gallery East in Western Australia of artists‘ books from all over the world, but mainly from Australia. Despite the social upheaval, disruption of everyday lives, not least in art schools, and a sclerotic postal service, caused by the pandemic, the high level of representation by leading international and Australian artists working in this field experienced over the last decade was sustained for the 2021 exhibition. We greatly welcome the 65 works from 55 artists represented in this outstanding show.


Matching the lovely presentation, which gives each of the participating artworks the space it needs, a cataloque was printed, showing the riches of ideas and materials employed. The range is enourmous between sculptural und graphic attitudes, many experiments with rare materials show the conceptual approahces to the chosen topics. Please take a look for yourself: the catalogue is online: https://www.galleryeast.com.au/general/books%202021/main1.htm


30 April– 22 May 2021 Monday – Friday 10am – 4.30pm Saturday 12 – 3.00pm



GALLERY EAST

406 Hamilton Road, Lake Coogee, Western Australia 6166

Tel: (08) 64989833

David Forrest CBE: 0405 698 799  Janis Nedela: 0407 385 335

Web: www.galleryeast.com.au

Between the Sheets: Artists’ Books 2021 https://www.galleryeast.com.au/general/books%202021/main%20invitation%20to%20apply.htm


Am Wasser (28.4.-30.5.2021)

‚Am Wasser‘ im doppelten Sinne befindet sich meine neue Ausstellung am Scharmützelsee östlich von Berlin.

In der alten Schulscheune in Radlow-Diensdorf bei Bad Saarow, zwischen Waldrand und direktem Blick aufs Wasser, werden seit dem 28.4.2021 vierundzwanzig meiner aktuellen Drucke zum Thema Wasser gezeigt. Vorwiegend Holzschnitte, aber auch Linolschnitte, Monotypien und Mixtechniken sind zu sehen.

Im Moment kann man nur einen Blick durch die Fenster des gepflegten kleinen Innenhofs erhaschen, leicht verschwommen, wie unter Wasser, blickt man auf die ruhige Stimmung einer dahin fliessenden Oder, Havel und der für die Gegend typischen Entwässerungsgräben. Gegenüber finden sich Bilder eines aufgeregten Meeres, vielgestaltiger Strandstrukturen, drohender Gewitterwolken.

Es geht um die Lebendigkeit weiter Landschaftsräume durch Schatten, Wind oder Pflanzen. Statt eines schnellen Blickes kann man sich in die Tiefe der Bilder hineinziehen lassen und stets neue Andeutungen entdecken. Diese spezielle Wirkung entsteht durch den Handabrieb, der viele Einzelbetonungen innerhalb der zu druckenden Flächen zuläßt und aus jedem Druck ein Unikat macht.


Die Ausstellung wird von einem Katalog für 4,- € begleitet. Alle Arbeiten sind verkäuflich. Ausserhalb des Lockdowns wäre die Alte Schulscheune täglich (ausser mittwochs) von 11-16.00 Uhr geöffnet: Schulstr. 1 in Radlow-Diensdorf.

Möglicherweise kann am 30.5.2021 eine Finissage mit Texten von Olga Tokarzcuk zu den Bildern stattfinden. Bitte informieren Sie sich über die website der Alten Schulscheune: https://www.alte-schulscheune.de/events/1474

Ein wunderbares Ausflugsziel mit kleinem Cafe und Aussensitzbereich, eingebunden in ein Netz von Wander- und Radwegen, selbst zu Fuß ist die Alte Schulscheune von Bad Saarow aus in unter einer Stunde erreichbar.


Diese Ausstellung gehört in zu den 2. Offenen Tagen des brandenburgischen Buches, deren reichhaltiges Programm am 30.4. beginnt und bis in den Juni hineinreicht. Mögen möglichst viele der wunderbaren Lesungen, Aufführungen und workshops, die schwerpunktmäßig im Oderbruch zu finden sind, und das ganze Land Brandenburg bespielen, stattfinden können!