KkkA in der Villa Blunk in Wriezen

Am ersten Juni-Wochenende eröffnete die Villa Blunk eine neue Ausstellung:

Sie zeigt mit 120 Werken eine grosse Vielfalt an Techniken. 35 Künstler sind mit je 3-5 Werken aus Malerei, Graphik, Keramik, Skulptur und vielem mehr vertreten.

Anja Asche – Jutta Barth – Heike Franziska Bartsch – Barbara Bernardi – Steffen Blunk – Carsten Borck – Marion Luise Buchmann – Katja Ebert–Krüdener – Sinje Faby – Sophie Fensch – Elfi Greb – Aleksander Gudalo – Karolin Hägele – Andrea Imwiehe – Susanne Isakovic – Michael Koch – Beate Köhne – Constanze Kreiser – Uschi Krempel – Davide Lantermoz – Petra Lehnardt–Olm – Christin Lutze – Alice Morishita – Maria Naidyonova – Johannes Neuhann – Torsten Paul – Inna Perkas – Eriván Phumpiú – Kirstin Rabe – Kensuke Saito – Jochen Schlick – Muriel Valat-B – Christof Wegner – Ila Wingen

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Blick 1 von Jochen Schlick auf die Petersburger Hängung

Es handelt sich hierbei um ein digitales Corona-Format – von kunstopfer (Michael Koch & Jochen Schlick) aus Berlin organisiert – das jetzt in der Realität angekommen ist. Ein unbedingt empfehlenswerter Ausflug: gut per Bahn oder Auto zu erreichen, fährt man durch die wunderbare Landschaft des Oderbruchs und findet schließlich einen schönen Ort der Kunst in der Villa Blunk in Wriezen.

Vor vier Jahren war Steffen Blunk mit seiner Familie nach Wriezen in eine alte Ratsherrenvilla gezogen. Dort richtete sich der 53-Jährige nicht nur ein Atelier ein, sondern eröffnete gemeinsam mit seiner Frau auch die Galerie «Villa Blunk». Bisher waren dort sieben Ausstellungen zu sehen. Zudem veranstaltet das Ehepaar Blunk eine Konzertreihe und ab dem Sommer auch Kunstkurse für jedermann.

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Die Ausstellung ist noch bis 13.9.2020 unter Berücksichtigung der Corona-Regeln zu besichtigen. Öffnungszeiten hier:https://villa-blunk.de/index.php/ausstellungen/

Ich lese gerade … XXI

 

 

Simone Lappert – Der Sprung (Zürich 2019)


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Ähnlich wir auf dem obigen Blatt sind alle Erzählstränge in Simone Lapperts Roman ‚Der Sprung‘ auf vielfältige Weise miteinander verbunden.

Allerdings dauert es eine ganz Zeit, bevor sich die Verbindungen zeigen. Aus der Perspektive zehn unterschiedlicher Menschen berichtet ‚Der Sprung‘ von 20 Stunden einer jungen Frau auf dem Dach eines Hauses am Marktplatz in Thalbach. Warum sie sich auf dem Dach befindet, bleibt bis ganz zum Schluß unklar. Es werden verschiedene Lesarten angeboten, die sensations-lüsterne der unten wartenden Menge samt Presse, die Einschätzung der Polizei, die derer, die sie  – mehr oder weniger – kennen. Interessant ist gerade das Offene der Situation, die auf den ersten Blick eindeutig erscheint.

Der Schweizerin Simone Lappert (geboren 1985 in Aarau) gelingt es, für jede ihrer Figuren eine eigene Sprache zu finden, mit wenigen Worten mögliche Haltungen verschiedener Altersgruppen zum Leben zu beschreiben. Sie erzählt auch vom jeweiligen Verharren im Eigenen trotz der Unterbrechung des Alltags durch das außergewöhnliche Eriegnis. Nur wenigen gelingen, durch das Ereignis angestossen, Veränderungen.

Hier die vorgestellten Zuschauer des Ereignisses:

  • Angelika, Schwester im Altenpflegeheim
  • Astrid Guhl, ältere Halbschwester von Manu, Politikerin, Bürgermeisterkandidatin
  • Bruno, Polizist, Kollege von Felix und Ablösung
  • Carola, Kollegin von Felix, Auszubildende
  • Cosima, Schildkröte von Edna
  • Edna, alte Frau
  • Egon Moosbach, Schlachtereiangestellter und Hutmacher, Besucher in Roswithas Café
  • Ernesto Valone, Modeschöpfer aus Mailand
  • Esther, Henrys ehemalige Freundin
  • Felix, Polizist, Freund von Monique
  • Finn Holzer, Freund von Manu, Fahrradkurier
  • Franz, Mann, der sich angeschossen hat
  • Hannes, Mann von Maren, begann mit 40 neues Leben, Affäre von Astrid
  • Hauptkommissar Blaser, Polizist und Einsatzleiter, Vorgesetzter von Felix
  • Helen, Polizistin, Kollegin von Felix
  • Helga, Mutter von Stefan, Schwiegermutter von Astrid
  • Henry, Obdachloser
  • Holger, Telefonzentrale der Fahrradkuriere
  • Iggy (Ignazius), Kinderfreund von Felix
  • Jaris, Barockmusiker, Verehrer von Maren
  • Leo, Jugendfreund von Finn, mit 15 an Krebs gestorben
  • Leslie Kühne, Vater von Manu
  • Lukas, Obdachloser
  • Magali Moosbach, Jägerin und Altenheimbewohnerin, Mutter von Egon, Bekannte von Edna
  • Manu(ela) Kühne, auch Nunu genannt, Störgärtnerin und Pflanzenbefreierin, Freundin von Finn, Halbschwester von Astrid
  • Maren Fritsche, dickliche Schneiderin, Frau von Hannes
  • Miranda, Freundin von Lukas
  • Monique, Freundin von Felix, schwanger
  • Mutter (ohne Name) von Winnie
  • Otto, Vorgänger von Holger in der Telefonzentrale
  • Roswitha, Café-Besitzerin
  • Salome, Mitschülerin von Winnie und Salome
  • Silas und Tom, Arbeitskollegen von Finn
  • Stefan, Mann von Astrid
  • Theres, Ladenbesitzerin und Ü-Ei-Sammlerin, Frau von Werner
  • Timo, Mitschüler von Winnie und Salome
  • Tommaso Rossi, Assistent von Ernesto
  • Walter, verstorbener Liebhaber von Egons Mutter Magali
  • Werner, Ladenbesitzer, Mann von Theres
  • Winnie, dickliche Schülerin, Mitschülerin von Timo und Salome

Die Springende, Manu oder Nunu, wiederum kommt sehr wenig zu Wort. Das scheint ihrer Art zu entsprechen. Nach einem Biologiestudium rettet sie Pflanzen aus ungeeigneten Behausungen und ist selbst nur provisorisch behaust.

Simone Lappert ist Präsidentin des Internationalen Lyrikfestivals Basel und war Schweizer Kuratorin für das Lyrikprojekt ›Babelsprech.International‹. Ähnlich kurz wie ihre Gedichte sind auch die einzelnen Textabschnitte, meist nur wenige Seiten, die sich flüssig lesen. Trotzdem entsteht schnell die Atmosphäre einer Kleinstadt mit all ihren sorgsam verborgenen Geheimnissen, die meist Fehlschläge bedeuten. Dieses feine Geflecht ist der eigentliche Gegenstand des 2. Romans von Simone Lappert.

 

Dunkelgrün

 

 

Ein Künstlerbuch über innere Räume.

 

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Abstände, die sich (freiwillig oder unfreiwillig) vergrössern.

 

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Getragen werden – sich abschotten.

Die Akkumulation heller und dunkler Lebenslinien.

 

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Sich Verstecken und Einblicke gewähren.

 


 

Unikat in Schachtel 2020

 

 

 

{Künstlerbücher für alles}

 

Katalog, hrsg. vom Zentrum für Künstlerbuchpublikationen Bremen 2020


Auflage 1000 Stück, 400 davon gingen an die Teilnehmer der gleichnamigen Ausstellung, die vom 2.6.-6.8. 2017 im Museum für Moderne Kunst/Weserburg in Bremen stattfand.


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Es handelt sich hierbei um ein zweisemestriges Projekt unter Leitung des Zentrums für Künstlerbuchpublikationen mit Studierenden der Kunst- und Kulturvermittlung an der Uni Bremen, was offenbar von der Konzeptionierung über den Teilnahmeaufruf bis hin zur Präsentation und Katalogisierung der Beiträge reichte. Das erklärt möglicherweise auch den zeitlichen Abstand von mehreren Jahren zwischen Ereignis und Katalog, die üblicherweise am Tag der Eröffnung zusammentreffen.

Dieter Roths hat mit seiner ‚Zeitschrift für alles‘ von 1975 hat die Idee für die Aktion gestiftet.

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Das nun vorliegende 2160 gr. schwere Buch ist die Dokumentation der eingesandten Arbeiten. Diese werden mit einem Foto und dem damals abgefragten Teilnahmebogen gezeigt, vorangestellt eine kurze, allgemein gehalten Einführung (ohne Verfasserangabe) in das Thema Künstlerbücher, die nicht Bezug nimmt auf die anschließend alphabethisch vorgestellten Arbeiten. Es gibt also weder inhaltliche noch formale Gruppenbildungen, ebenso wie 2017 in der Ausstellung wird dem Betrachter das Gesamtkonvolut kommentarlos und unkuratiert übergeben.

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Die schiere Menge an 400 eingereichten Büchern – meist handelt es sich tatsächlich um die klassische Buchform, Buchobjekte oder Fanzines sucht man vergeblich – schafft es tatsächlich, einen gewissen Eindruck des Genres zu vermitteln. Zwar waren in der Ausschreibung Unikate und Kleinstauflagen ausgeschlossen, trotzdem finden sich auch davon einige. Ebenso sind nur wenige Bücher von Künstlern, die in anderen Gattungen tätig sind, vertreten. Das ist aber der eigentliche Sammlungsschwerpunkt des Zentrums für Künstlerbuchpublikationen. Stattdessen handelt es sich um viele Einzelwerke aus den typischen Großstädten kreativer Produktion wie Berlin und Bremen, Düsseldorf und Köln. Weltweit sind 32 Länder neben den überwiegenden dt. Beiträgen vertreten. Auch von aktuellen Buchkünstlern findet man nur wenige, bekannte Namen wie Sarah Bodman oder Ruth Wolf-Rehfeldt sind die Ausnahme. Es handelt sich hier also um eine Art Nischenquerschnittsuntersuchung: wie stellt sich das Thema Künstlerbuch 2017 abseits der gängigen Kunstbewegungen dar. Entsprechend wird dieses Konvolut auch als geschlossene Sammlung im Zentrum für Künstlerbuchpublikationen verwahrt.

20200523_115534Gern hätte ich mehr zu den einzelnen Büchern und Buchanlässen erfahren, die nur mit einem Foto der Buchdecke vorgestellt werden. Insofern überwiegt nach langem Warten auf die Erscheinung der Publikation die Enttäuschung über das nicht vorhandene Layout und die ausbleibende wissenschaftliche Bearbeitung des unentgeldlich eingesammelten Künstlerbuchmaterials.