dancing dough ’n‘ circumstance

Galerie im Saalbau, Berlin Neukölln
Einzelausstellung Kati Gausmann
dancing dough and circumstances
Artist Talk mit Dr. Hanne Loreck
am Sonntag, 19. Januar 2020 um 17 Uhr

Die sehenswerte Ausstellung war bis zum 19. Januar 2020 zu sehen.

Der Ausstellungstitel liess mich an ‚pomp duck and circumstance‘ denken…aus der online Eigenwerbung von POMP DUCK AND CIRCUMSTANCE:

‚Die Seele schlägt Purzelbäume, wo immer unsere Künstler auftreten. Das weltberühmte Potpourri aus Esskultur und Varieté hat bei Abertausenden von Shows die Massen angezogen und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen. … Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt. Und wo Pomp drauf steht, ist Pomp drin – ein berauschendes Abenteuer für alle Sinne, damals wie heute.‘


 

Und tatsächlich gab es Sensationelles im Neuköllner Saalbau in Berlin zu sehen. Keinen tanzenden Teig. Aber grundlegende Fragen zur Position des Menschen, die Sichtbarkeit von Bewegung, falschen Weltbilden. Die circumstances/Umstände der Werke zwischen Objekt und Zeichnung der Berliner Künstlerin Kati Gausmann waren zu besichtigen und kamen am Abschlussabend zur Sprache.

 

Kati Gausmann hat über ein Jahrzehnt an Phänomenen der Plattentektonik künstlerisch geforscht, inkl. Feldarbeit in Island, Norwegen und den Pyrenäen. Entstanden sind Abriebe, Zeichnungen, Dokumentationen, Übersetzungen ins Sichtbarwerdenden.

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Die direkt auf die Wand übertragenen Zeichnungen sind in ihrer fragilen, fragenden Feinheit wunderschön. Auch ohne Hintergrundwissen. Und sie lassen sich fast nicht fotografieren: autofocus macht daraus ein Verschwimmen. Was ich mit dem Hintergrundwissen der Finissage sehr interessant fand.

Mir hat die von Hanne Loreck vorgeschlagene Vorstellung der Ideengeschichte der Linie gefallen –  welche Fähigkeiten hat eine Linie? Und welche eine Liniengruppe? Wenn man das genauer überlegt, ist sowohl in der Linie aber auch in ihren Gruppierungen Bewegung und damit Zeitlichkeit enthalten. Die Zeichnungen lassen sich als Spuren von Zeit und Bewegung lesen. Ihre flirrende Unschärfe bildet Zentren und Peripherien aus.

 

Die Latexabdrücke von Gesteinsoberflächen haben etwas pergamentartiges, aber auch (über das bräunliche Changieren) eine Verbindung zu Höhlenmalerei oder auch zur Haut von archäologischen Funden. Diese Nebenklänge sind seltsam und der Drang zum Anfassen gross.

 

Im hochkonzentrierten Künstlergespräch probierten Hanne Loreck und Kati Gausmann  aus mit Worten zu fassen, wonach diese Ausstellung gesucht hat. (Schön auch die Unterscheidung in das eigentliche Machen, was anderen Kriterien folgt als das konzeptionelle Suchen.) Es ging es um Authentizität und Individualität, um den erst 20 Jahre alten Begriff des Anthropozäns (der viel über unsere Selbstzentriertheit aussagt) und leere Mitten, die aussermittig landen. Wunderbar anregend.

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30 Jahre Corvinus Presse Berlin

 

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Hendrik Liersch stellte am 16.1.2020 den Pirckheimern einige seiner Bücher aus der Sammmlung der Staatsbibliothek ‚Unter den Linden‘ vor, wo der Abend unter der Leitung von Frau Dr. Trojahn traditionsgemäß zum Jahresbeginn stattfand.

Seit 1990 gestaltet Hendrik Liersch unter dem Namen Corvinus Presse Künstlerbücher. Meist als eine Zusammenarbeit von Künstlern, Schriftstellern, Druckern und Buchbindern, wobei Hendrik Liersch mit seinen beiden Mitstreitern für Bleisatz und Pressendruck zuständig ist.

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Henryk Bereska, Gerd Adloff, Anna Hoffmann sind nur einige der vertretenen Autoren. Originalgrafiken, Zeichnungen, Linolschnitte oder Radierungen steuern Künstler wie Horst Hussel, Schoko Casana Rosso, Frank Wildenhahn, Zoppe Voskuhl, Petrus Akkordeon bei. Vorsatz und Einband jeden Buches sind ebenso künstlerisch bearbeitet wie die Kassetten, die das Buch schützen sollen und so selbst schützenswert werden.

Die Künstlerbücher erscheinen in einer schnell vergriffenen Auflage von 22 (eine Reaktion auf die Pflichtabgabengrenze der Nationalbibliothek Leipzig und des Landes Berlin). ‚Volksausgaben‘ entstehen mit deutlich höheren Auflagen, um einen günstigen Preis von 20-40 € anbieten zu können. Technisch handelt es sich um Klischees von der originalgraphischen Buchausgabe. Hendrik Liersch behauptet von sich, daß er zwar nicht unbedingt vom Büchermachen  leben kann, ,,aber auf jeden Fall kann man damit leben!“

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Jeden Tag sucht jemand etwas / in den verwüsteten Ecken des Lebens, / und jeder findet Nichts.”

Wienke Treblin

Seit 1978 sammelt Hendrik Liersch alles von und über V.O. Stomps, zum 50. Todestag erscheint 2020 ein Band, der die Texte statt der Bilder von V.O. Stomps in den Mittelpunkt rückt. Dazu gehört auch der Gedichtband von Elisabeth Wesuls: ‚Stierstädter Erinnerungen von Hans Goswin Stomps‘

 

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Body and Soul, eine Berliner Künstlerzeitschrift, herausgegeben von Schoko Casana Rosso, Heft 1 – 7, ab 2005 (seit Heft 8 auch Gestaltung und Druck der Umschläg), hat Liersch seit 2014 zweimal jährlich weitergeführt: zu Ehren von Schoko Casana Rossos erscheinen diese Ausgaben (Auflagenhöhe 25 St.) jeweils an dessen Geburtstag und Todestag.

 


CORVINUS PRESSE  Hendrik Liersch

 

Brandenburgische Strasse 122

15566 Schöneiche bei Berlin

Email: corvinus@snafu.de

http://www.corvinus-presse.de/bücher/lieferbare-bücher

 

 

 

The Gulf Wars II

 

artistsbooks by iraqi artists


 

Rafa Nasiri (Iraqi 1940-2013)

War Diary II (1991)

 


 

Ali Rashid (Iraqi and Dutch 1959)

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Iraqi Tragedy 2003

 


Muhammad Muhraddin (Iraqi 1938-2015)

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untitled 2011

 


Theater of Operations: The Gulf Wars 1991–2011 to be seen at PS1/Queens until 1.3.2020

as part of a very informative and balanced exhibition in PS1/ MoMa/ NewYork. All kinds of artistical approaches from sculpture to video are shown, also an astonishing amount of beautiful artists books.

 

 

 

 

The Gulf Wars

 

Rachel Khedoori lists narrowly printed news on the gulf wars from 1991-2011


as part of a very informative and balanced exhibition in PS1/ MoMa/ NewYork. All kinds of artistical approaches from sculpture to video are shown, also an astonishing amount of beautiful artists books.

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The senses are our bridge between the incomprehensible and the comprehensible.(August Macke)

 


 

Theater of Operations: The Gulf Wars 1991–2011 to be seen at PS1/Queens until 1.3.2020

Jamal Penjweny. Work from the series Saddam is Here. 2010