open art academy weißensee

 

Workshop Photo Graphit mit Vanessa Farfan

 

Es ging um Licht und Schatten, Reflektionen und Refraktionen, Farbe und Schwarz-Weiss. Und 2 Tage lang ganz viel konzentriertes Zeichnen und Ausprobieren: wunderbar.


alle fotos von jenna/kunsthochschule weißensee berlin – vielen dank auch dafür!

 

 

Ich lese gerade … XIX

 

Dave Goulson – Die seltensten Bienen der Welt: Ein Reisebericht (München 2017)


Bienenafficianado Dave Goulson nimmt uns mit auf seine Entdeckungstouren in unwegsame Gegenden weltweit. Der englische Biologe sucht nach aussterbenden Hummelarten und beschreibt dabei gleichzeitig unsere hilflosen Versuche, diese unter Schutz stehenden Arten tatsächlich zu schützen. Umweltschutz ist offenbar etwas zu Statisches in einem höchst dynamischen Wandlungsprozess, der auch viele wirtschaftliche Aspekte berührt.

Waldhummel, Deichhummel, Achselschweisshummel, Bombus dahlbomii, Franklinhummel, Kampfhummel und viele andere fast ausgestorbene Hummelarten mehr sind Gegenstand seiner Suche. Ihr Umfeld und ihr Aussehen beschreibt Goulson häufig im Vergleich zu anderen Bienenarten: Bumblebees als Überbegriff.

Neben der ansteckenden Faszination, die für Goulson offenbar von Hummeln als Unterart von Bienen ausgeht, liest sich das Buch wegen der ebenfalls mit Natur- und Artenschutz befaßten Menschen amüsant. Englische Distanziertheit – auch zu sich selbst – läßt wunderbare kleine Einzelporträts von Aktivisten und Adligen entstehen. Auch die Stimmung an Orten oder innerhalb von Unterstützergruppen sind anschaulich beschrieben.

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springtimeproject 2019 münchen constanze kreiser

Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Buch um eine Aufsatzsammlung (ab und zu treten Wiederholungen auf), trotzdem liest es sich spannend wie ein Abenteuerroman. Denn genau das ist es: eine Suche mit Pannen und Überraschungsfunden, vielen unüberprüften Angaben per Hörensagen, die sich als nicht mehr gültig entpuppen, und einem Netzwerk von anderen an Artenschutz Interessierten. Suchen bedeutet auch Jagen im Sinne von Dokumentieren per Bild und Verschriftlichung, aber auch mittels Einfangens und Vermessens. Spannend auch, daß Gentests gemacht werden, sowohl von lebenden wie auch toten Tieren vergangener Jahrhunderte, die in Museen aufbewahrt werden, um Entwicklungslinien zu überprüfen.

In den jadgtypischen Wartezeiten denkt Goulson über (Land-)wirtschaft und Artenvielfalt nach, die Chancen von ausbleibendem Rückbau oder Nachnutzungen von Industriebrachen. Goulson untersucht aber auch die Verbreitungswege der Hummeln, meist durch menschliches Eingreifen sind Populationen weltweit verteilt worden.

Goulson beschreibt ein wissenschaftliches Denken an seinen Grenzen: eine fast kindliche Freude an Trial and Error, erschwerten Hypothesen aufgrund lückenhafter und veralteter Kartierungen, Überaschungen aufgrund falscher Eingangsannahmen gehören zu seinem Forschungsalltag, den vor allem eines kennzeichnet: Offenheit und eine große Neugier. Ein besonderes Buch: detailreich, aber ohne zu ermüden. Anregend.

C. Kreiser 08/2019


 

 

 

 

Book Art Object I, II

 

„Book Art Object 1“ (2009) und „2“ (2013) von der Codex Foundation, Berkeley, Kalifornien, USA (Hrsg. Peter Koch, David Jury) englischsprachig


Book Art Object 1, in schwarzem Stoff gebunden, zwölf mal neun Zoll groß, umfasst 432 Seiten und ca. 735 Farbbilder und präsentiert die Arbeiten der Künstler, Designer und Drucker, die zur ersten CODEX Messe 2007 aus allen Teilen der Welt nach Kalifornien kamen. Die damals gehaltenen Reden fassen die gezeigten Beispiele der Buchkunst ein.

Book Art Object 2, der Nachfolger vier Jahre später, enthält 1133 Bilder von 300 Büchern von 140 Künstlern und Druckereien. Eine Auswahl der Reden, die bei den Codex-Symposien 2009 und 2011 gehalten wurden, finden Sie ebenfalls hier. Die Texte werden von Experten des Büchermachens verfasst: Universitätslehrer, Kuratoren berühmter Buchkunstsammlungen und Buchkünstler selbst. In allen Beiträgen leuchtet eine lebenslange Hingabe an Bücher auf. Obwohl sie sich hinsichtlich des Ausgangspunkts von Künstlerbüchern einige Jahrhunderte voneinander unterscheiden, stimmen sie den offenen Inhalten und Formen von „Künstlerbüchern“ überein. Die Suche nach einer Definition für Künstlerbücher ist schwierig, denn man kann aus vielen verschiedenen Richtungen auf dieses hybride Medium schauen, das sich irgendwo zwischen Buch und Theater, Bild und Skulptur befindet.


20190806_152627Künstlerbücher haben eine sehr persönliche Note. Jedes Buch ist individuell in seinem Entwicklungsprozess und in seinem Prozess, gefunden, verstanden und gekauft zu werden. Normalerweise ist der Künstler derjenige, der seine eigenen Künstlerbücher anbietet. Es gibt keine Galerien oder Geschäfte zwischen Kenner und Künstler. Ich glaube, dass diese direkte Kommunikation und Individualität einer der Gründe für das in letzter Zeit gestiegene Interesse an Künstlerbüchern ist.

Es gibt weitere interessante Aspekte des Buchkunstmachens im Vergleich zu anderen Kunstgattungen, wie Stephen Bury es ausdrückt: Das Buchformat in seiner Eins zu Eins Qualität ermöglicht eine gewisse Intimität zwischen Leser und Künstler, mit der die Popularität des Genres insbesondere bei Künstlerinnen erklärt wurde.

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Bilder sind kontextoffen. Andererseits sind sie überzeugender als Text. Text wird heutzutage häufig durch Fotos ersetzt. Lilian Landes, Kuratorin der Bayerischen Staatsbibliothek, verweist in ihrem neuen Blog auf den wachsenden Einfluss von Bildern in unserem Alltag: „Nun wird es (= das Künstlerbuch) also hineingespült in eine Zeit, die weniger denn je nach Definitionen verlangt und die gut zurechtkommt mit Diversität, Internationalität, Bildlastigkeit, Kleinteiligkeit, Idealismus, Teilen – und in der es zugleich leicht wird, den Anspruch zu erfüllen, mit dem das Künstlerbuch in den 1960er Jahren angetreten ist: Kunst als druckfähige, leicht verbreitbare Botschaft; für jeden Interessierten niederschwellig zugänglich.“

Lilian Landes, „Ein Blog über Künstlerbücher. Ist das wirklich nötig? Müssen wir wirklich über Künstlerbücher bloggen?“, in Kunst zwischen Deckeln, 3. Juni 2019, https://bookarts.hypotheses.org/204

 


20190806_153506Ich mag die Idee, die ganze Atmosphäre des Buchmachens zu zeigen. So wird Band 2 durch Einblicke in Werkstätten und Studios bereichert, die uns viel über die Einstellung der Künstler, die Werkzeuge, das Erbe früherer Generationen mit den gleichen Druckmaschinen, das Licht auf den Tischen, den Standort der Werkstätten (oft abgelegen und in Gebäuden mit eigener Geschichte) und mögliche oder unmögliche Kooperationen in den dargestellten Räumen erzählen. Büchermachen bedeutet die Fähigkeit, technische Probleme zu lösen und den Frieden, vorübergehende Misserfolge als Mittel zum Fortschritt zu akzeptieren. Es gibt auch eine tiefe Wertschätzung für das kulturelle Erbe, das in allen Aussagen zu spüren ist.

10 bzw. 6 Jahre nach ihrem Erscheinen weisen diese Bücher mit erstaunlicher Weitsicht auf die zukünftigen Entwicklungen in der Buchkunst hin. Die vorgestellten Künstler sind nach wie vor aktiv und die beiden Bände funktionieren sehr gut als das Who is Who in der heutigen Buchkunstwelt. Die Codex-Bücher nehmen eine aktive Rolle bei der Vernetzung von Buchkünstlern ein, indem sie Adressen und Websites auflisten. Diese beiden Bücher dokumentieren eine stolze Zusammenstellung einer wachsenden weltweiten Buchkunst-Community. Die Stärke des Genres liegt in seiner Offenheit und Vielfalt. Es ist ein Vergnügen, darüber zu lesen und die Fülle der Konzepte zu bestaunen. Die Sorgfalt bei der Organisation der Veranstaltungen und der Zusammenstellung dieser Bücher wird auf jeder Seite deutlich.

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Diese Bücher mit all ihrem Reichtum an Anregungen, Theorie, geschichtlichen Hinweisen samt Materialnachweisen werden ganz bestimmt einen Platz auf Ihrem Arbeitstisch finden und in dauerndem Gebrauch bleiben!

weiterlesen unter: komplette Rezension


 

For a full version of this text in english click here: Codex foundation

 

 

Seestück I

 

 

Hier ein Sommersehnsuchtsthema in seiner 2019er Fassung:

aus meiner Serie MEER, die seit 2013 stetig wächst.

2020 werde ich dazu eine Ausstellung machen. Am Meer.