Paperpatterns

 

Bei dem Buch ‚Muster im Rapport‘ von Paul Jackson handelt es sich um die systematische Erschließung zweier geometrischer Themen: Symmetrien und Rapporte. Die 2018 im Haupt Verlag erschienene Lizenzausgabe des engl. Titels ‚How to make Repeat Patterns‘ aus Paul Jacksons Reihe Book for Designers zeigt anhand einfacher Beispiele wie Muster gebildet werden.

Muster im Rapport

 

 

Dazu verwendet Paul Jackson bzw. seine Studenten der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd (unsymmetrische) Buchstaben. Diese werden den 4 elementaren Operationen – Drehsymmetrie, Parallelverschiebung, Achsenspiegelung und und Gleitspiegelung – unterworfen. Auch die Buchstaben, groß und klein geschrieben, werden zunächst auf Symmetrien untersucht, auf ihre Eigenart aus Linie und umschlossener Fläche zu bestehen, um später daraus Gruppen als Untereinheiten für Muster zu bilden.

 

 

Das Layout von Nicolas Pauly liefert dazu sehr klare, zweifarbige Graphiken, die auf übersichtlich quer sortierten Seiten jeden einzelnen Schritt anschaulich machen. Insofern doch ein Lehrbuch, aber eines, was beim Vorstellen des Regelhaften sogleich dessen Brechung mitbedenkt. Und eine Unzahl an Varianten andeutet, die sofort zum Nachtun verlocken.

 

 

Die Textblöcke sind zweispaltig in schwarz gesetzt, auch hier ist auf extrem gute Lesbarkeit der Schrift geachtet worden: man kann sich anhand der kurzen prägnanten Texte das Wissen leicht aneignen oder über das Studium der Graphiken alles verstehen – beide sind gleichberechtigt, das Gesamterscheinungsbild ist dadurch sehr luftig. Immer wieder sind ganzseitige Musterbeispiele eingestreut, als Kapiteltrennung und zur Veranschaulichung. Meist reicht Nicolas Pauly dafür eine Zusatzfarbe zu schwarz – rot oder blau – und/oder Abstufungen davon, diese Reduzierung entspannt ungemein. (Das Einzige, was mir nicht gefiel, waren das Cover und das Vorsatzpapier, beides stach mit einem grellen Orange in die Augen, das im weiteren Buch keine Verwendung findet.)

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Sprachlich hat sich Jackson eng an mathematische Begriffe angelehnt. Er geht das Thema wissenschaftlich mit einleitenden Definitionen und abschließendem Glossar an. Er beschreibt Punkt-, Linien- und Plansymmetrien, bildet jeweils Untergruppen und kommt so zu 25 maximal möglichen Symmetrieoperationen.

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Diese finden dann Verwendung in Flächenmustern, Parkettierungen, nahtlosen Mustern und schließlich den freieren Sonderformen der figürlichen Escher-Parkettierungen. Flächenfüllende Muster können rechtwinklig organisiert sein, aber auch auf Dreiecken und Sechsecken beruhen. Und schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit, Restflächen zu zulassen.

 

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Am Ende des Buches angekommen, bleibt einem nur noch eins: sofort alles ausprobieren und nach eigenen Mustern suchen. Ein wunderbar anregendes Buch von seltener Klarheit.

 


 

Ebenso wie Paul Jacksons website http://www.origami-artist.com/about-2/, die von Faltungen, Pop-ups, Origami bis hin zu Kleidung und Schmuck eine breite Palette von außergewöhnlich intensivem Arbeiten mit Papier zeigt.

 

 

 

 

Books for Designers These books are published in up to 11 languages and have been influential in establishing folding as a language of design. They are set books on many Design courses. All books were originally published by Laurence King Publishing (London).‘Folding Techniques’ was a bestseller.

 

 

 

 

Schrift und Bild

 

Wie Wörter Bildräume öffnen oder verschliessen, war Gegenstand unseres Gemeinschaftsprojektes Frühling:


 

zu einem Text von Gabriele Stolz:

Schwarz im Weiß
geschieht es.
Umgekehrt
wälzt auch dieser Tag
sich langsam
durch das Gelb.

 

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Springtimeproject 2019 -Trio I

 

Eva Schnitzer + Constanze Kreiser + Margret Lochner

 

 

3 Künstlerinnen arbeiten mit Montypien und Holzlettern zum Thema Frühling
Springtimeproject 2019 Trio II

 

 

 

 

 

 

Über Illustration nachdenken

 

Unter dem Titel Super-Illu fand am 28. März 2019 von 19:00—21:00 Uhr in den Räumen der Hegenbarth Sammlung Berlin (Nürnberger Straße 49, 10789 Berlin) eine Diskussion statt, die inmitten einer Ausstellung schwarzweisser pixelähnlichen Grafiken von Corinne Laroche – Point(s) de Hasard-(Keine) Punkte des Zufalls – aus der Reihe ‚Überflogenes Weiss‘ plaziert waren. Etwa 50 Zuhörer und 6 Diskutanten versuchten die Grenzen zwischen Bild, Text und Bebilderung zu finden. In dem Wort illustrare stecke auch mostrare=zeigen und genau dieses Hinweisende eines Bildes wäre der Illustration zu zuordnen, wenn sie sich nicht als Kunst darstellt. Demgegenüber beschreibt sich Kunst auch in ihrem größeren Freiheitsgrad Ihrer Lesbarkeit. Die Grenzen sind fließend und je nach Bilderschatz möglicherweise auch individuell verschieden.

Vorangegangen war dieser mündlichen Auseinandersetzung eine schriftliche Stellungnahmen aller Beteiligten zum Thema Illustration. Die vierteljährlich erscheinende Zeitung «z.B. / zum Beispiel / zum Buch» #18–21 des Künstlerduos <usus>, Ulrike Stoltz, einer Typographin und Uta Schneider, einer Künstlerin mit Schwerpunkt Zeichnung, bot hierfür den Rahmen. Die ganzseitigen gemeinsamen Abbildungen von <usus> auf der Innenseite von <<z.B.>> verstehen sich jeweils als Textergänzung.

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Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspor Museums Offenbach, hatte gesprächshalber auf die Unschärfe der Begrifflichkeit hingewiesen «… man müsste doch einmal den Begriff der Illustration neu denken …» und trat in der Diskussion vehement für eine Qualität der Illustration trotz ihrer Abhängigkeit als angewandte Kunst ein. Kommunizieren funktioniert für ihn immer in Ergänzung von mindestens zwei Medien, mit dem Ziel, etwas ‚Lebensinhaltliches‘ zu übergeben.

Ulrike Stoltz spielte mit der These, dass Illustration mit dem Prozess der Vervielfältigung zu tun haben könnte und deshalb als Begriff erst im 19. Jhd. entstand. Allerdings ist das 19. Jhd. ohnehin die Zeit der Ausdifferenzierungen, auch der Berufe, so wurde z.B. aus dem Baumeister für alle Bauaufgaben eine Gruppe von Fachleuten: für zivile und militärische Bauten, für Statik, Tektonik und Verzierungen kamen Spezialisten zum Einsatz, wie es Gottfried Semper in Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten oder Praktische Ästhetik. Frankfurt am Main/München 1860–1863 beschreibt.

 

Illumination wäre laut Grimm‘schen Wörterbuch der Vorläuferbegriff von Illustration und hat eine starke spirituelle Komponente, die der Hausherr Christopher Breu (Typograph) mit dem christlichen Farbkodex mittelalterlicher Druck- und Handschriften belegte: (papier-)weiß wie die geschundene Haut des Leibs Christi, rot wie Blut, schwarz die Nägel am Kreuz. Er erinnert an die typische frühkindliche Bildverbundenheit, die vor dem Lesenkönnen als Leseersatz und Gedächtnisstütze dient. Damals waren Bilder zudem etwas Seltenes und damit von höherer Eindringlichkeit.

Matthew Tyson, (Buch-)Künstler, Drucker in 2. Generation und Herausgeber, in England und Frankreich lebend, spürte der Sprache nach. All den Inhalten, die in ihr versteckt sind, der Kraft, die sie im Bezeichnen entwickelt. Der englische Begriff ‚Image‘ ist viel offener und umfassender als das deutsche Wort Illustration. Seine eigene künstlerische Suche gilt der Reduktion, die sowohl Sprache wie auch Bild zu mehr Eindeutigkeit verhelfen soll. Wie das Bild kann auch die Sprache Mehrfachbedeutungen und damit Unklarheiten aufweisen, die das Erkennen ihres eigentlichen Inhalts verstellt. Er betrachtet sich als Künstler, nicht als Illustrator.

Juliane Wenzl, freiberufliche Illustratorin und Dozentin, ging als Beirat im Berufsverband, Illustratoren Organisation e.V. www.illustratoren-organisation.de pragmatisch an das Thema heran: Auftrag und Nutzungsrechte beschreiben für sie eine komplett andere Situation als die des individuellen Antriebs eines Künstlers, etwas von seinem inneren Denken, Empfinden, Sehen zu veräußerlichen. Entsprechend wäre das Ergebnis auch anders zu bewerten.

 

Im Nachgespräch auf den Gängen ging es mit Uta Schneider allgemein um Übersetzungsprozesse von Sinneseindrücken: in Sprache, in Bilder oder in andere Handlungen. Etel Adnans Künstlerbuch ‚Arabische Apokalypse‘ über den libanesischen Bürgerkrieg, das sie in mehreren Sprachen unterschiedlich bildlich abfasste, ist ein wunderbares Beispiel vom Zusammenspiel aller Komponenten des Gestaltens. Kontextualisierung als ein Mittel, den Begriff Illustration zu begreifen: von allen beteiligten Künstlern gab es eigene Arbeiten im Anschluss zu betrachten. Das Gehörte ließ sich so in einen weiteren Zusammenhang einordnen.

Matthew Tysons über Jahre scheiternde Versuche, asiatische Kalligraphieprinzipien auf lateinische Buchstabenschriften zu übertragen, gehöre ebenso zu dieser Suche nach Zusammenhängen wie das sprachliche Fehlen von Tatbeständen, das Hanneke van der Hoeven beschrieb: ein so unklarer Begriff wie (Körper-)kreislauf existiere im Holländischen nicht, dort beschriebe man die einzelnen Vorkommnisse und sei damit viel genauer. Das gibt zu denken. Für mehrere weitere anregende Abende.

Dann evtl. in neuen Räumen, denn zum Sommer wird die Hegenbarth Sammlung umziehen, aber in der Nähe bleiben.

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Uta Schneider und Ulrike Stoltz, Illustration zur Illustration von Illustration, 2018 In: Z.B. Illustration. Offenbach, 2018. © ‹usus› 2019

Frieder Heinze – Arbeiten auf Papier

‚Über Paul Klee hieß es einst, er sei ein Träumer, der aus geheimnisvollen Abgründen einen Schwarm kleiner lyrischer Läuse befreit. „Lyrische Läuse“ – ein schönes Synonym für die Geschöpfe, die unsere zwei großen Räume erobert haben. Ein Guckloch in die Welt des Frieder Heinze.‘ So beschreibt die Galerie Ei eine Ausstellung Heinzes auf ihrer website.

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Litho, coloriert Friedre Heinze

Für mich sind Frieder Heinzes Bilder ein eigener Sprachraum, chiffrenartig finden sich in jedem Blatt isolierte Figuren zusammen, die Platzhalter für ganze Geschichten zu sein scheinen, sozusagen ein Buch auf einem Blatt., man könnte sofort mit Träumen und Erzählen beginnen.

Eingebettet sind diese Zeichen und Symbole in ein reich nuanciertes GrauSchwarz. Eine lebendige Fläche, die nicht Hintergrund sein möchte, sondern Zusammenhalt bewerkstelligt. Wunderbar offene, rauhe Striche scheinen daraus hervor, Muster und vielfältige Strukturen. Die eingebetteten Figuren muten kindlich verspielt an, präkulturelle Formen, universell verständlich, zeigen eine ebensolche Farbenfreude, gern starke Kontraste wie gelb-lila, klares grün oder blau. Technisch handelt es sich um handkolorierte Lithographien, irgendwo zwischen Zeichnung und malerischer Haltung, das Ausstellungsplakat ist ein vielschichtiger Holzschnitt.

Doch nochmal ganz von vorn: Frieder Heinze, 1950 in Leipzig geboren, strahlt an diesem verregneten Eröffnungsnachmittag eine große Ruhe und Gelassenheit aus. Er wird von  Hendrikye Hüneke als Weltreisender und offener Mensch vorgestellt, der gern Kooperationen eingeht, zB. mit Olaf Wegewitz in Form eines Künstlerbuches, er organisiert Ausstellungen, bestreitet Crossovers in andere Techniken wie die Porzellanmalerei, erarbeitet Badkeramik mit Duravit oder die Ausgestaltung architektonischer Räume.

Die Galerie Sonnensegel hat jeden ihrer freien Plätze mit Werken Heinzes bestückt, insgesamt 60 Bilder hängen an den Wänden und viele Teller sind in zwei Vitrinen zu besichtigen. Hingehen und sich zu Fantasieentdeckungsreisen anregen lassen!

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Im Druckladen der Galerie Sonnensegel – Foto: Frohl

16.3.-31.5.2019  Galerie Sonnensegel

Gotthardkirchplatz 4/5  in 14770 Brandenburg  

Mo-Do 8-17.00 Uhr, Fr. 8-14.00

http://www.maz-online.de/Lokales/Bildergalerien-Region/2019/3/Farbenpraechtige-Ausstellung-in-der-Galerie-Sonnensegel

 

 

SW>Y>PE ::: III und IV

 

Blow-up –  SW>Y>PE projects inspired by Caren Florance

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SW>Y>PE DOORS tries to make this nothing to declare attitude of digital technology visible. By blowing it up, changing the scale. I made different associations shine up, the surfaces are haptic instead of swift, I opened up comparisons with doors, which everyone has learned to handle. Doors as borders of interior and exterior, like the lid of a book or a box, something you can go beyond.

Flat screen is a word to disguise the massive techniques behind itself. An analogue characteristic word stands for an non-descripted content. No clue is given to:

20190318_153346How it works – Why it works – Who made it what for?

McLuhan stated a rivalry between former and new techniques that leads the new to embody parts of the old. Flat rectangles of course remind us of a sheet of paper. New technology tries to make itself well renowned to gain acceptance for something different/new.

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on flatness – foto c.kreiser 2019

Flatness has become a non content advertising expression with supposed positive connotations. But why? What is positive on flatnesses? Flat used to be boring…countryside, women, texts… What kind of flatness is the one the new style aims at?

 


 

Surfaceness –  Looking behind the scenes

SW>Y>PE projects inspired by Caren Florance

 

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Another attempt to deal with the obvious: a promising surface is a curtain to what? An artwork for pesky curious noses and hands: looking behind a forbidden border.