Geheimschriften/ Sans-Papiers

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Sans-papiers Vorstudie 2018 Geheimschriften und Codes

Ein weiteres Buch über Nichts – über das Unsichtbare, Unlesbare, Versteckte

 

Bild und Schrift fallen hier zusammen (ähnlich mögen Analphabethen unsere Schrift wahrnehmen), Bezeichnung und Gegenstand fallen jedoch auseinander, denn das Objekt ist offenbar aus Papier.

Sans-Papier erinnert an die Vision des papierlosen Büros, die Bücherei in der Tasche und an die an (Ausweis)Papiere gebundene Identität. Der Titel Sans-Papiers wird in verschiedene Schriftsysteme übertragen, mit dem Hintergrund verschmolzen, durch Überdruckungen und geringe Zeilenabstände läßt sich der Text der Umschlagseiten nur noch erahnen.

Anlass dieses Projektes ist die Homogenisierung aller buchstabengebundenen (?) Sprachen zu einer Kunstschrift: der angeblich schon von Leibniz erdachten digitalen, die sich auch als Übersetzungssystem zwischen den Sprachen anbietet. Dieses Notationssystem ist zudem geeignet, Töne und Bilder aufzuschlüsseln. Für die Mehrzahl der Menschen ist das so aufbereitete maschinengeeignete Materials nicht lesbar. Die Ablageorte der codierten Daten sind geheim. Es handelt sich also um eine doppelte Geheimhaltung. Wie harmlos sehen im Vergleich die blickgesperrten Umschläge aus.

 


Das Buchobjekt steht thematisch am Ende meiner Suche nach Zusammenhängen zwischen Sprache, Schrift und Form.

 


weitere Überlegungen zum Übergang vom analogen zum digitalen Schreibens im blog www.paperdotless.wordpress.com


 

Ich lese gerade … XII

 

Jon McGregor      Speicher 13   (München 2017)


Der Roman beginnt mit einem Kriminalfall: ein halbwüchsiges Mädchen geht während ihres Urlaubs mit der Familie verloren. Sehr genau werden die hügelige Umgebung zwischen Industrieausbeutung und Landwirtschaft beschrieben: die 13 Speicherbecken, Steinbrüche, Höhlensysteme einer ehemaligen Bergbaugegend.

Jon McGregor benutzt eine mäandrierende Sprache, um die Hilfsbereitschaft bei der Suche, das gemeinsame Erschrecken und Nachdenken, nachdem das Mädchen unauffindbar bleibt, den Presserummel, und schließlich das langsame Einsickern des Ereignisses in die Dorfgeschichte zu begleiten.

13 Jahre lang beobachtet McGregor diesen Prozess, indem er mit viel Abstand die Bewohner in dem kleinem Ort Mittelenglands beschreibt. Individuelle Lebenskrisen werden wie nebenher erzählt, in kurzen Sätzen das Typische einer Situation geschildert, die vorsichtigen Reaktionen der anderen oder das Ausbleiben einer Auswirkung berichtet. Durchwirkt sind diese kurzen personenbezogenen Abschnitte mit präzisen Naturbeobachtungen oder wiederkehrenden Ereignissen im Dorfleben, die den neutralen Blick des Erzählers bestätigen. Es entsteht eine untergründige Sogkraft, die verhindert, daß man am Ende über das Ausbleiben einer Aufklärung enttäuscht ist.

Eigentlich geht es um eine Verweigerung von Handlung, die eingestreuten einzelnen Geschichten leuchten wie Gedichte mit großer sprachlicher Präzision daraus hervor. Man kann das Buch pralinenartig langsam oder gierig gespannt lesen, aber am besten mehrfach.  

 

 

 

BUCHSTABENSPEICHERMEDIUM – Studie

 

 

Deswegen ist meine Miniatur auf das Schreiben als kulturelle Errungenschaft bezogen. Es ist aber kein Buch als typischer Ort von Schrift in den letzten Jahrhunderten geworden. Sondern eine grüne Box mit dem Titel BUCHSTABENSPEICHERMEDIUM.  Meine nach oben offene Steckbox lässt sich ein- und ausfalten, verändern, macht Angebote: einzelne Karten sind zur freien Auswahl entnehmbar. Zusammenlegt werden sie zu Bildern. Inhaltliche oder formale Zusammenhänge sind für jeden frei wählbar. Reihenfolgen, Kausalitäten und Zeitschienen (also typische Bestandteile von Büchern) sind aufgehoben.

Inhaltlich geht es bei BUCHSTABENSPEICHERMEDIUM um eine Stellungnahmen zum Thema Buch, aber auch zu den fließenden Grenzen zwischen Schrift und Bild. Aus der grauen Folie der Sprache sind Buchstaben herausgeschnitten. Als leicht unscharfe Fotos verlieren sie ihren Aussagecharakter und werden zum Bild.

Die Aussage wird von schwarzen Digitaldrucken übernommen: Zitate zum Thema Buch überlagern die fotografierten Buchstabenfolien. Der Begriff ‚Buch‘ als Schrift-Medium wird hier von verschiedenen Schriftstellern und Philosophen als persönlicher Gesprächspartner, als Bewahrer von Kultur und Wissen über viele Jahrhunderte vor Augen geführt.

 

 

 

Einrichten und Denken

Ein Bild über nichts ::.:: der neue Lifestyletrend für Nichtleser :.:.: Buchrücken zur Wand

 

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noch zu lesendes Buchmaterial, tlw. mit Markierungen, erzählen von ihrem Gebrauch

Bücher als Formen geordneten Denkens versus sinnentleerte Dekorationsformen

Für diejenigen, die immernochnicht ihre Regale – oder noch schlimmer: Bücherschränke – entrümpelt haben, ein prima Hinweis zur Zweitverwertung der überflüssigen Bücher:

Als Wärmedämmung vor Aussenwänden, als Hocker, Bänke etc. und zum Anfeuern sind Bücher ebenfalls besser verwertbar als Interneteinträge.