Ich lese gerade … X

Juli Zeh      Leere Herzen (München 2017)


BAM

Eine Parabel ? Eine Zukunftsvision ? Eine einfach Beschreibung dessen, was schon stattfindet ? Juli Zehs neues Buch ist schwer einzuordnen. Als Roman ist es zu dogmatisch, als Negativ-Utopie zu wenig weit gedacht. Die Figuren müssen sich (samt ihren sich selbsterklärenden Namen) ihren Aufgaben beugen und nur Julietta, die Selbstmörderin, gewinnt im Verlauf der 347 Seiten ein wenig an Persönlichkeit. Alle Positionen sind besetzt, Bewegung findet kaum mehr statt. Die Welt—und insbesondere Braunschweig—sind postfaktisch aufgeräumt.

 

»Der moderne Mensch leidet unter Weltinnen-raum-Klaustrophobie«, verkündet Janina. »Ha?«, macht dieses Mal Richard und lacht. »Globalisierung bedeutet, nirgendwohin fliehen zu können«, erklärt Janina. »Weil alles immer schon überall ist. Da wird Selbstmord zum letzten Notausgang.«

»Eigentlich geht es vor allem darum, dass Körperkapitalismus letztlich Seelenkommunismus ist. Knut legt Kraft in seine Stimme, um sich zurück ins Gespräch zu bringen. »Ein Schauspieler steht an der Rampe und erzählt sein Leben, auf eine Weise, dass alle im Publikum denken, er spricht über sie.«  (S. 92)


 

 

 

 

 

Eugen Gomringer Berlin 2018

 

Alleen
Alleen und Blumen

Blumen
Blumen und Frauen

Alleen
Alleen und Frauen

Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer

 

Eugen Gomringer…
wurde am 20.Januar 1923 geboren und ist ein Vertreter der Konkreten Poesie.

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2011 vergab die Alice Salomon Hochschule Berlin den Poesie-Preis an den Dichter. Das oben zitierte Gedicht ‚Avenidas‘ (1951) wurde stilbildend und schmückt die Südfassade der Hochschule. Der Asta der Hochschule, so wurde berichtet, unterstellt dem Dichter und dem Gedicht Sexismus: „Diese Gedicht …anzuschauen, wirkt wie eine Farce und eine Erinnerung daran, dass objektivierende und potentiell übergriffige und sexualisierende Blicke überall sein können.“ Man setzt sich durch und bringt den Akademischen Senat auf seine Seite: Das Gedicht wird überpinselt.

Zitiert aus dem Newsletter 25.01.2018 geschrieben von Frau Fritsch-Weith / Buchladen am Bayrischen Platz

Im RBB vom 24.1.2018 widerspricht Eugen Gomringer den sexistischen Inhalten explizit und kündigt rechtliche Schritte an. Die Fassade soll künftig alle 5 Jahre neu gestaltet werden. Der Ursprungstext von Gomringer wird laut Hochschule auf einer kl. Tafel an der Wand präsent bleiben.  (C.Kreiser)

 

 

Heather Weston – Buchbinden

 

In ihrem Buch ‚Buchbinden – vom Handwerk zur Kunst‘  (Haupt Verlag 2010) führt die englische Buchkünstlerin Heather Weston auf leicht verständliche Weise in die Grundlagen des Buchbindens ein. Und liefert mit zehn ausgewählten Künstlerbüchern ein Kompendium sinnvoller Zusammenhänge zwischen Bindung und Thema eines selbstgemachten Buches.

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Wunderbar anregend. Zum Ausprobieren, Nachahmen, Weiterdenken…

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Archiv – Streng geheim! 05. 3 – 13. 5.2018


Skriptuale Malerei und Graphik

von Eberhard Hartwig

BRIEF, 2006-07, Rohrfeder, Fett-Tusche, Pigmente auf Papier 3,25 x 1,33 m, Detail-757-2_Header
Eberhard Hartwig, BRIEF, 2006/07, Rohrfeder, Fett-Tusche, Pigmente auf Papier 3,25 x 1,33 m, Detail-757-2 Foto E. Hartwig

Ein Stasi- oder FBI-Archiv? Bibliothek von Alexandria? Eberhard Hartwig nimmt Bezug auf über 6000 Jahre Schrift-/Kommunikationsgeschichte, von den ersten Bilderschriften über fernöstliche bis zu Geheimschriften. Mit seinen BRIEFEN in Schrift-/Buchrollenform zitiert er ebenso chiffrierte Berichte wie für Fremde nicht lesbare Tagebuch-AUFZEICHNUNGEN. Was ist aufzeichnungswert und damit bewahrenswert? Wie geht es uns z.B. bei Beschriftungen in Japanisch? Wie fühlen sich Immigranten in Deutschland dabei? Wie kommunizieren wir? Sprache und Schrift formen die Wahrnehmung der Welt jedes Individuums und prägen gleichzeitig seine Verortung darin. In Sprache und Schrift sind Denken und Tun, Autonomie und Kollektivität miteinander verwoben. Als Instrument für Teilhabe und Herrschaft ermöglichen sie Emanzipation und Unterdrückung gleichermaßen.

 

Eröffnung/Opening: Sonntag, 04.03.2018, 15 Uhr

Begrüßung/Welcome: Albrecht Pyritz, Direktor Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz
Laudatio: Juliana Hellmundt, Kunsthistorikerin/art historian
Musikalische Umrahmung/Musical framing: „Collec Tiv“

Ort/Location: Museum Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz, Schloßstraße 12/13, 17235 Neustrelitz, Telefon: 03981 2390999