Ich lese gerade … V

Linol Nov 20170007
Berlin im Winter 2017

 

Stefan Martinez von Ulrich Peltzer (Ammann Verlag Zürich 1991)


Ein Berlinroman. Ein dicker Berlinroman von 1991, einer verflossenen Zeit, die selbst mir, die ich sie in Berlin verbracht habe, so endlos lange vorbei zu sein scheint, daß die Verwunderung über das Vergangene das Interesse an der Handlung überwiegt.

Diese allerdings macht einem das Lesen nicht leicht. Einzelne Wörter, unvollständige Sätze, abgelenkte Beobachtungen, Gedankenströme – alles sehen wir durch die Augen der Hauptfigur Stefan Martinez, der sich zwei Tage lang zwischen seiner Arbeit in einem Architekturbüro und der Wohnung seiner Freundin durch das alte Westberlin treiben läßt. Ein Schöneberg der Brachen, der Punks und Freaks, wo türkische Geschäfte und Restaurants für ein Höchstmaß an Fremdheit stehen.

Ich scheine mir der gleiche zu bleiben;
aber im dauernden Auf und Ab der Dinge,
die in mich eingehen und mich verlassen,                                                            bin ich in jedem Zeit-Moment ein anderer.
Giambattista Vico

So lautet das dem Text vorgestellte Motto, das die Schreibhaltung Peltzers so gut zusammenfasst, daß ich mir nach 85 Seiten die restlichen 500 nicht mehr erarbeiten mochte. Wie für seine Vorbilder Proust und Joyce braucht auch der Leser Peltzers viel Geduld, um schließlich doch immer wieder kleine, feine Entdeckungen zu machen.

 

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