Ich lese gerade … IV

John von Düffel – Wassererzählungen (Köln 2014)


Die 11 Erzählungen dieses Bandes sind tatsächlich durch das Element Wasser flüchtig miteinander verbunden. Auffälliger aber ist ihre gemeinsame Beschäftigung mit Wendepunkten in Beziehungen, mit unerwarteten Begegnungen, mit sich überlagernden Bildern und Vermutungen, die sich – über falsche Fährten – wie in einem fotografischen Labor erst ganz langsam zu zeigen beginnen.

Sehr präzise Beobachtungen alltäglicher Sprache und alltäglicher Situationen führen in die beinahe absurde Konstellation einer Vorschwimmerin, von Düffel beschreibt ein märchenhaftes Suchen und Verlieren im Wald, eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung oder den Verlauf eines Sterbeprozesses aus der Sicht zweier sehr verschiedenen Menschen, in dem ein Gartenteich eine zentrale Rolle spielt. Kindheit, Erwachsensein, verflossene Beziehungen und ehemalige Gemeinsamkeiten werden beinahe nebenher überprüft, Perspektiven verschieben sich unmerklich, das Ergebnis ist überraschend, aber zwangsläufig. Ein fast Alice-Munro-artiger Sogeffekt beim Lesen kämpft gegen den Wunsch, das Buch auf gar keinen Fall aus der Hand legen zu müssen.

Baden und Sonnen

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